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Published at 16.10.02
Author: Kristian Rink
Translator: Dominik Schröder
Languages: de
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Vorschau auf das kommende XFCE4

Generation X(FCE), Part IV

Spätestens mit der Veröffentlichung von GNOME2 hat es auch das zugrunde liegende System für die Erstellung der grafischen Oberfläche, die GTK-Bibliothek, zu einer neuen Major-Versionsnummer geschafft und bringt neben neuen Features wie etwa der besseren Unterstützung für internationalen Text auch eine überarbeitete und enorm ansprechende Optik mit. Nach und nach wird auch die Zahl der Programme, die von GTK1 auf GTK2 portiert werden, größer. Auch Olivier Fourdan und sein Team arbeiten heftig an dem, was (nach dem schon etwas zurückliegenden Wechsel von Motif zu GTK) der zweite Quantensprung in der Geschichte seiner Desktop-Umgebung werden dürfte: dem Port der Desktop-Umgebung XFCE auf die GTK2-Bibliothek. Ladies and Gentleman, let me introduce you to... XFCE4!

Rewrites & Redesigns...

Doch um den Enthusiasmus zunächst noch etwas zu bremsen: Wenngleich auch von XFCE4 bereits lauffähige Programme existieren und teilweise auch schon für den täglichen Einsatz geeignet sind, ist die Vierer-Version des "lightweight desktop environment", was Umfang und Vollständigkeit betrifft, noch meilenweit von dem entfernt, was das stabile XFCE (von dem in naher Zukunft Version 3.8.18 verfügbar sein dürfte) zu bieten hat. Wen dies nicht stört und wer sich einfach mal anschauen möchte, was er in den kommenden Versionen von der leichten Alternative zu GNOME und KDE zu erwarten hat, dem sei ein Blick auf den gegenwärtigen Stand der Arbeit unbedingt empfohlen. Prinzipiell muss angemerkt werden, dass sich, auf dem Weg zu XFCE4, einige Änderungen anbahnen, die schon zuvor auf der Mailing-Liste diskutiert wurden und die die neue Version des Desktops nicht zu einer bloßen Umarbeitung der alten Version auf die neue Oberfläche, sondern mehr zu einer kompletten Neuentwicklung werden lassen. Einige der Entscheidungen, die im Hinblick auf das Design bislang getroffen und teilweise auch schon umgesetzt wurden:

  • Der alte, auf dem schon fast als klassisch zu bezeichnenden Fvwm basierte Windowmanager xfwm (der bekanntlich nicht auf die ansonsten bei XFCE verwendete GTK aufsetzte) wird durch xfwm4 ersetzt, welcher in erster Linie eine modifizierte und der neuen Oberflächenbibliothek angepasste Version des bislang wenig bekannten, sehr leichtgewichtigen Oroborus-Fenstermanagers ist.
  • Allgemein soll das gesamte System modularer und somit aus mehreren Programmen aufgebaut sein. Die Darstellung von Root-Menüs etwa, also jenen Menüs, die mittels Maus-Klick auf die Arbeitsfläche des Bildschirmes erscheinen, oder auch eine Liste von aktiven Fenstern oder eine Icon-Box für minimierte Fenster sollen durch seperate Programme implementiert werden; insbesondere wird also xfwm4 auch im Gegensatz zu seinem Vorgänger nicht mehr für die Root-Menüs verantwortlich sein.
  • Im Rahmen der Weiterentwicklung wird auch die ebenfalls bereits vor einiger Zeit getroffene Entscheidung, den Dateimanager ROX-Filer perspektivisch in die XFCE einfließen zu lassen, umgesetzt. Der ROX ist in der Version 1.3.x bereits als GTK2-Version verfügbar, die hinsichtlich der Funktionalität und Stabilität den "alten" 1.2.x - Versionen mindestens ebenbürtig ist und mit dem man (wie wir später noch sehen werden) zusammen mit den XFCE4-Komponenten schon jetzt sehr schöne Desktop-Umgebungen zusammenstellen kann.
  • Die Speicherung aktuell offener Programme, aktueller Einstellungen sowie Login und Logout, also alles, was unter XFree86 gemeinhin als Session-Management bezeichnet wird, wird gegenwärtig und wohl auch perspektivisch durch das lose zum ROX-Filer gehörende ROX-Session - Paket implementiert.
Wen diese Fakten neugierig gemacht haben, für den wird es Zeit, sich einmal mit der "Arbeitsversion" von XFCE4 vertraut zu machen.

Download und Installation der Software

Auf der Sourceforge-Site zu XFCE finden sich bereits einige Snapshot-Pakete zu XFCE4. Aktueller und mindestens genauso komfortabel jedoch kommt man an die Sources der Software, wenn man eventuelle Angst vor Entwickler-Versionen überwindet und sich daran wagt, das cvs- Repository von XFCE4 abzufragen. Davor sollte man sich jedoch vergewissern, dass auf dem eigenen Computer die zum Kompilieren der Software notwendigen Erfordernisse erfüllt sind; dazu gehören in erster Linie die GNU-Entwicklungsumgebung inklusive gcc, make und verwandter Tools. Desweiteren ist eine voll funktionsfähige Installation von GTK2 und zugehöriger Pakete wie pango, atk und pkg-config vonnöten, natürlich mit den entsprechenden Bibliotheks-Headerfiles. Für die Akquise der Sources aus dem CVS-Repository ist auch ein entsprechender Client notwendig; einfachstenfalls muss auf dem verwendeten Computer das cvs-Kommando funktionieren. Ist man sich sicher, dass diese Voraussetzungen durch das eigene System erfüllt werden, kann es losgehen (die folgenden Kommandos funktionieren in der bash-Shell, das export dürfte in anderen Shells anders aussehen):


export CVSROOT=:pserver:anonymous@cvs.xfce.sourceforge.net:/cvsroot/xfce
cvs login (Passwort-Abfrage mit ENTER bestätigen, Passwort ist leer)
cvs -z3 co xfce-devel/xfwm4
cvs -z3 co xfce-devel/xfce4
cvs -z3 co xfce-devel/libxfcegui4

Je nach Geschwindigkeit der Netzwerkanbindung dürfte es eine Weile dauern, bis die Dateien vollständig auf der eigenen Festplatte liegen. Die Installation danach erfolgt in der üblichen Weise mit configure && make && make install, wobei darauf zu achten ist, dass die libxfcegui4 zuerst kompiliert und installiert wird. Eine Fehlerquelle existiert für Nutzer, die libxfcegui4 auf Basis einer von der verwendeten Distribution mitgelieferten GTK2-Library installieren: Mit GTK2 hat pkg-config in die Einbindung von Bibliothekspaketen während der Übersetzung von Programmen Einzug gehalten. Standardmäßig finden sich die Dateien, die Informationen für pkg-config über das betreffende Softwarepaket halten, in $PREFIX/lib/pkgconfig, also bei den meisten mit der Distribution installierten Paketen unter /usr/lib/pkgconfig. Entsprechend sollte man entweder die libxfcegui4 mit --prefix=/usr konfigurieren und installieren oder aber in der verwendeten Shell vor der Konfiguration von xfce4 die Umgebungsvariable PKG_CONFIG_PATH geeignet setzen, etwa export PKG_CONFIG_PATH=$PKG_CONFIG_PATH:/usr/local/lib/pkgconfig/. Danach sollten sich nicht nur xfwm4, sondern auch xfce4 problemlos auf das System bringen lassen. Mittels pkg-config --list-all lässt sich übrigens feststellen, ob das System die libxfcegui4 gefunden hat und für den Build von xfce4 verwenden kann.

Der erste Start...

Sind die Pakete erfolgreich installiert, sollte noch die example.xfwm4rc aus dem xfwm4-Verzeichnis nach $HOME/.xfwm4rc und die example.gtkrc-2.0 aus demselben Ordner nach $HOME/.gtkrc-2.0 kopiert werden. Die xfce4/example.xfce4rc gehört dann noch nach $HOME/.xfce4/xfce4rc, und danach steht der erste Start des XFCE4-Systems kurz bevor. Je nachdem, ob Session-Manager wie kdm oder gdm verwendet werden oder X mittels startx ins Leben gerufen wird, wird eine neue $HOME/.xsession bzw. $HOME/.xinitrc erstellt mit folgenden Zeilen:


exec xfwm4&
exec xfce4

Mit dem ersten Start zeigt sich folgender, etwas trostlos wirkender Bildschirm:

Leerer XFCE4-Bildschirm

Ansonsten ist momentan noch alles etwas ernüchternd: Maus-Klicks auf den hellblauen Bildschirmhintergrund bewirken überhaupt nichts, Menüs scheinen nicht zu existieren, und auch nur wenige der Steuerelemente im XFCE4-Panel bewirken irgendetwas. Bis zum "richtigen", einsatzbereiten XFCE4-Desktop ist also noch, je nach Sichtweise, einiges an Konfigurations- oder aber Entwicklungsaufwand notwendig. Trotz allem reicht der gegenwärtige Stand aus, sich erst einmal ein Bild über die Möglichkeiten von xfce4 und xfwm4 zu verschaffen.

xfce4

Die Eigenschaften von xfce4 in zwei Worte zu gefasst: Höchst konfigurierbar. Mehr noch als bei der derzeit stabilen Version bietet das xfce4 - Panel reichlich verschiedene und kombinierbare Möglichkeiten, seine Erscheinung nach Wunsch des Anwenders zu ändern:

  • Mit der neuen Panel/Icon - Größe "Tiny" wird das XFCE-Panel noch kleiner.
  • Der mittlere Teil des Panels kann teilweise oder auch ganz deaktiviert werden.
  • Jedes der Icons im XFCE4-Panel kann wahlweise ein Programmstarter (wie bisher) sein oder aber eine der neu in XFCE4 eingeführten Plugin-Anwendungen (wie etwa die Uhr) aufnehmen, zudem können die Knöpfe zum Öffnen der Menü-Schubladen freier plaziert werden und auf Wunsch auch nach unten öffnen.
  • Mittlerweile kann das XFCE4-Panel auch vertikal am Bildschirmrand angeheftet werden.

Alles in allem ist das Panel in seiner optischen Erscheinung deutlich variabler, wie die folgenden Bilder zeigen:

Standard-Panel

Panel im Tiny-Look

Panel ohne Desktop-Switches

Panel ohne Mittelteil

Panel

Bei allen neuen Features und der Tatsache, dass XFCE4 noch schwer in der Entwicklung begriffen ist: Für (Pre?)Beta-Software ist das Panel einfach nur enorm stabil und im umfangreicheren Testlauf seltener abgestürzt als manche stabil deklarierte Software. Besonders angenehm fällt zudem die Möglichkeit auf, für die Programmstarter-Symbole auch Tooltips festzulegen, um zu vermeiden, dass in manchen Situationen die durchaus langen Kommandozeilen, die sich doch bei manchen Nutzern hinter diesen Symbolen verstecken, als Hinweis zum Symbol zur Anzeige kommen.

xfwm4

Die zuvor getroffene Aussage über Stabilität gilt fast uneingeschränkt auch für xfwm4, wobei bei dem neuen Windowmanager der Entwicklungsstatus noch eher zu spüren ist: Bislang lässt sich der neue XFCE-Fensterverwalter nur dadurch konfigurieren, daß der Nutzer Hand bzw. Texteditor an die $HOME/.xfwm4rc legt. Wie schon eingangs erwähnt, dürfte diese zumindest den Oroborus-Anwendern unter den Lesern von der Struktur her bekannt sein. Hinsichtlich der Konfigurierbarkeit fällt hier in erster Linie die Menge der bislang verfügbaren Themes für die Fensterdekorationen auf:

Style b6

Style bbs

Style curve

Style redmondxp

Neben der bunten Vielfalt, aus der die Beispiele nur eine kleine Auswahl zeigen, fällt erfreulich auf, dass bei xfwm4 beispielsweise der exakte Aufbau der Fenster-Titelleiste, d.h. die Position des Titels sowie Anzahl und Position der existierenden Bedienelemente auf einfachste Art und Weise zu definieren ist - nämlich mit einem String der Art OSHMT|C, wobei, O="Optionsmenü", S="Shade" (Fenster 'hochrollen'), H="Hide" (bzw. Minimieren), M="Maximieren", T="Stick" (Fenster auf die Arbeitsflächen 'kleben'), |="Titel" und C="Close" (Fenster schließen. Eine sehr effektive Methode, die einfacher kaum sein könnte. Schließlich und endlich finden sich noch die hinlänglich bekannten Einstellungsmöglichkeiten für den Maus-Fokus sowie die Tastenbelegungen. Schnell hat man sich auch mit dieser Datei und allgemein der Konfiguration dieses Programmes vertraut gemacht, und dann wird sich auch xfwm4 als bereits jetzt schon praxistaugliches Stück Software erweisen.

Ein richtiger Desktop

Aber, wie der leere Desktop zeigt, bilden die beiden Komponenten noch keine Arbeitsoberfläche, mit der man gern arbeiten mag - dazu könnte man sich noch etwa Icons auf dem Bildschirm oder zumindest das eine oder andere Menü wünschen. Mit Hilfe zweier kleiner Zusatzprogramme, namentlich dem ROX-Filer und dem kleinen, aber feinen Programm deskmenu, welches, nomen est omen, nicht mehr macht, als ein Root-Menü auf dem X-Desktop zu zaubern, lässt sich die bisherige, rudimentäre XFCE4-Oberfläche schnell sehr schön erweitern. Die beiden Programme aus der Distribution installieren oder von den entsprechenden Websites holen, kompilieren, installieren; die .xsession (bzw. .xinitrc) erweitern wie folgt:


exec xfwm4&
exec deskmenu -b 2 -f /etc/deskmenurc.debian&
exec rox -p Desktop&
exec xfce4

Mit dem nächsten Start präsentiert sich der Desktop noch etwas schmucklos, aber schon funktionaler:

XFCE4

Dabei bietet deskmenu das Programm-Menü (in diesem Fall Debian-vorkonfiguriert), vom ROX-Filer stammt das "HOME"-Icon und die Dateimanager-Fenster. Noch etwas Spielerei an den Einstellungen, ein Hintergrundbild vielleicht, und ganz plötzlich hat man sich an die XFCE4-Installation gewöhnt, möchte gar nicht mehr mit anderer Software arbeiten (im Bild übrigens die Vertikaloption des Panels):

XFCE4

Fazit

XFCE4 kombiniert hohe Konfigurierbarkeit mit einer mehr als nur ansprechenden Optik und im Vergleich zu den beiden großen "Konkurrenten" KDE und GNOME immer noch erfreulich geringen Ressourcen-Bedarf (wenngleich auch die Systemanforderungen im Vergleich zu den 3.8.x - Versionen etwas höher sind, was hauptsächlich der GTK2-Bibliothek anzulasten ist). Auch wenn das Paket von seiner Fertigstellung noch weit entfernt ist: Mit der bisher existierenden Software läßt sich schon recht gut arbeiten, und Lust auf Mehr machen xfce4 und xfwm4 allemal.

Links:

XFCE http://www.xfce.org
XFCE (Sourceforge) http://sourceforge.net/projects/xfce
ROX-Filer http://rox.sourceforge.net
Deskmenu http://www.dreamind.de




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