Testbericht SuSE Linux 8.0
Nun ist sie da, die neue Distribution aus der Nürnberger Linux Schmiede SuSE. Die 8.0 ist die
erste Distribution nach der Umstukturierung im vergangenen letzten halben Jahr. Wie erwartet kommt die
8.0 professional mit einer geballten Ladung an Software, laut SuSE 2300 Pakete verteilt auf 7 CD's
und wahlweise einer DVD sowie 3 Handbüchern. Die Anzahl der Handbücher hat zur vorherigen Version
leider abgenommen, so wurde der Quick Installation Guide völlig weggelassen, und die Referenzen wurden
wieder zu einem Handbuch zusammengefasst. Die wohl auffälligste Änderung ist der Wegfall des
Konfigurationstools Yast1 der nun völlig durch
Yast2 ersetzt wurde.
Installation
Die Neu-Installation erfolgte problemlos und ist für den Linux Neuling mit Leichtigkeit zu bewältigen, da die graphische Oberfläche des Yast2 sehr übersichtlich und selbsterklärend gestaltet ist.
Der fortgeschrittene User, der nicht in Besitz eines DVD Laufwerks ist, freut sich anfänglich, dass es endlich möglich ist, ein Standard-System mit nur einer CD zu installieren. Diese Freude wird allerdings getrübt, wenn man das System benutzt und merkt, dass wichtige Tools wie z.B. C-Compiler fehlen. Als graphische Oberfläche wird der neue KDE 3.0 installiert.
Hardware Konfiguration
Nach der Installation kann auf Wunsch das Yast Kontrollzentrum gestartet werden, in dem man alle Module zur Systemkonfiguration ausführen kann. Es ist hier auch möglich eine einfache Firewall zu konfigurieren, deren Einstellungen von jedem Laien gemacht werden können. Auf dem Testrechner wurden alle Hardware-Komponenten (Soundblaster 128 PCI, ATI Rage 128, Win-TV Go, Netgear 310) korrekt erkannt und eingerichtet.
Die /etc/rc.config wurde in der 8.0 größtenteils aufgelöst und in seperate Konfigurationsfiles (LSB konforrm)
nach /etc/sysconfig verschoben. Das manuelle Konfigurieren somit erleichtert. Lediglich das Yast2 Tool,
das diese Aufgabe erledigen sollte, ist meiner Meinung nach etwas zu kilckfreudig.
Es ist auch möglich,
Yast2 in einer Konsole zu starten, dieser kann aber durch seine recht umständliche Navigation nicht überzeugen.
Schwachpunkte
- Yast 1 gibt es nicht mehr."Alle Funktionen sind im Yast2 integriert,
so dass Sie Yast kaum vermissen werden" (O-Ton SuSE).
Ob Yast2 ein guter Ersatz ist, sollte jeder selber entscheiden.Durch den Wegfall von Yast1 sind eine Menge Konfigurationstools entfernt oder in die KDE-Konfiguration ausgelagert worden.
Eine der schönsten Optionen, Pakete komfortabel per FTP einzuspielen, ist gänzlich gestrichen worden. Hier bleibt dem Nutzer nur die Möglichkeit, per Hand die RPMs per FTP zu ziehen, und sich selbst mit der Abhängigkeit der Pakete herumzuschlagen.
Neu ist eine Online-Updatefunktion, wie sie bei anderen Distributionen schon länger zu finden war. Dank einiger Mirrorserver läuft das updaten mittlerweile recht gut. Nur leider sind nicht immer alle Server bei einigen Tests auf dem gleichen Stand gewesen bzw. konnten einige Updates nicht zur Verfügung stellen. - Paketauswahl: Die Verarbeitung der Abhängigkeiten kann zu einem Problem
werden, wenn zwei widersprechende Abhängigkeiten bestehen. (Eine Abhängigkeit "muss
installiert werden, weil von Paket Y benötigt", eine weitere Abhängigkeit "Kollision mit
Paket x"), springt Yast munter zwischen zwei Warnfenstern hin und
her.
Die Installation abzubrechen ist dann der einzige Ausweg.War eine Paketauswahl vorher schon nicht einfach, ist sie durch ein neues Konzept (den Serien werden sogenannte Gruppen überlagert) keineswegs übersichtlicher oder einfacher geworden.
Wer sich nicht unbedingt an vorgegebene Auswahlen hält, sollte sich sehr viel Zeit nehmen.
Die Granulierung ist dadurch etwas feiner, dies mag als Vorteil gesehen werden. So gibt es eine Gruppe "Unterhaltung", darunter "Spiele", darunter wiederum Unterteilungen wie "Action", "Logik" usw. Allerdings ist der Bereich "Action" wiederum in fünf weitere Untergruppen aufgeteilt, damit wird es dann etwas zu viel des Guten.
Wieso allerdings Netzwerk-Programme aller Art unterhalb von Produktivität, gleichberechtigt mit Multimedia und Büroanwendungen liegen, bleibt im Dunkeln.
Ebenso erscheinen einige andere Zuordnungen etwas überraschend.
Am Rande sei bemerkt, dass in der Textdarstellung (z.B. bei Fernwartung über SSH) diese Gruppenbezeichnungen nicht mehr komplett in das Textfenster passen. Viel Spass beim Suchen nach den Programmen, wenn man dann die Textzeile ("Pfad") nicht mehr komplett sieht... - Details die auf den ersten Blick unangenehm auffielen waren
Einstellungen nach der Installation die gerade Anfängern zum Verhängnis
werden.
So war nach der Installation als Standardinstallationsquelle das CD-Rom Laufwerk vorgegeben. Leider findet das Installationsprogramm bei Einsatz z.B. von Brennern nach folgerichtigem Start der SCSI-Emulation das Laufwerk nicht mehr. Da es keinen Menüpunkt (mehr) gab die Standardeinstellung zu ändern mußte von Hand nachgeholfen werden. - Das Backup-Tool Arkeia ist nicht mehr vorhanden. Ein OS mit dem Siegel "Professional" ohne eine brauchbare
Sicherungssoftware ausser dem recht verwickelten Amanda-Tool zu verkaufen, ist schon
bemerkenswert.
Wer das Arkeia-Tool nutzen möchte, kann es sich von www.arkeia.com herunterladen. Die dort für SuSE 7.x angebotene Version hat hier den ersten Probelauf überstanden. - Nach der Installation wird die Textkonsole erstmal auf 640x480 belassen und als "Fenster" auf einer
SuSE-Reklamegrafik dargestellt. Schlicht unerwünscht und überflüssig.
Nach Installation in reinem Textmodus lief das System wie gewohnt.
Jedoch scheint das SAX2-Tool für XFree 4 neuerdings von Windows-Usern auszugehen. Aus der Textkonsole wurde SAX2 gestartet und konfiguriert, dies führte zu einem unmittelbaren Hochfahren des PCs in den KDE-Desktop. Die Textkonsole war weg und musste erst wieder per Runlevel-Editor befreit werden. Schlicht ärgerlich, zumal man eigentlich voher gefragt werden möchte... - Die rc.config gibt es nicht mehr. Die Datei wurde - LSB-konform - in ein eigenes Verzeichnis /etc/sysconfig
verlegt. Damit aber nicht genug. Sie wurde aufgespalten in eine Unzahl kleinerer Dateien, in denen man nun mühsam den
gewünschten Parameter suchen muss.
Dementsprechend gibt es auch in Yast2 ein "Tool" (ja, mit Anführungszeichen!) zur Bearbeitung. Gott sei Dank hat SuSE dieses Tool gut versteckt. Es ist unübersichtlich, nicht mit einer Hilfe unterlegt und noch schwieriger zu handhaben als der bisherige YaST "Konfigurationsdatei verändern"-Editor.
Im /etc/sysconfig zählt man unmittelbar 32 Kofigurations-Dateien. Darunter liegen aber noch weitere Verzeichnisse mit teils parametrisierten, teils "rohen" Scripten fürs Init usw. Da behält man nur noch schwerlich den Überblick.
Die Dateien haben zwar sprechende Namen, jedoch finden sich einige Parameter nicht unbedingt dort, wo man sie aufgrund dieses Namens erwarten würde.Die Aufspaltung der /etc/rc.config macht einen Umstieg auf SuSE 8.0 anfangs schwieriger, da man daran gewöhnt war, alle wichtigen "Knackpunkte" in einer Datei zu haben. Allerdings wird SuSE damit zu anderen Distributionen vergleichbarer (z.B. sieht das bei Mandrake 8.2 nicht anders aus... ) und damit wird ggf. ein Wechsel zwischen Distributionen bzw. der parallele Support mehrer Distributionen einfacher.
- Hardware: Die Maus wurde nicht sicher erkannt (MS-Maus am seriellen Port eines BX440-Gigabyte-Boards, also
wirklich Standard-Hardware), das macht die Menüs teilweise fast unbedienbar.
Seltsamerweise wird ein ISDN-Treiber installiert und gestartet, obwohl in dem System keine ISDN-Karte vorhanden ist. - Die Bedienung der Menüs der Installation ist nicht immer schlüssig. Mal kann man mit Shift-Tab rückwärts springen, mal nicht, mal ist für "Ändern" ein Alt-d hinterlegt, mal ein Alt-n usw.
- In der Netzwerkkonfiguration werden schlicht "Dummy"-Parameter angenommen, es wird kein Rechnername abgefragt usw.
Beim Bearbeiten von Hand wurden früher bereits vorhandene Angaben vorgeblendet, dies ist z.T. nicht mehr der Fall.
Dies führt zu unnötigen Doppeleingaben und damit auch zu Fehlerquellen. - Selbst kleine vorgegebene Installationen neigen zum Gigantismus, die Standard-Installation mit KDE liegt mittlerweile bei etwa 1,5 GB.
- Wie schon bei der Version 7.3 sind z.T. Sicherheitsfeatures aus nicht erkennbaren Gründen aufgegeben worden.
Postfix lief bis zur Version 7.1 standardmäßig im chroot-Jail. Warum diese sichere Standardeinstellung aufgegeben wurde, ist unverständlich. Das chroot-jail kann man zwar wieder einrichten, in der neuen SuSE 8.0 ist der entsprechende Menüpunkt aber kaum noch auffindbar. - Es ist sicherlich nicht zu vermeiden, dass einige Fehler erst nach Auslieferung
auftreten.
Hier gehen andere Distributoren mit öffentlichen Betatests einen anderen, vielleicht besseren Weg. Wer die SuSE 8.0 installieren will, sollte vorher einen Blick in die Support-Datenbank bei www.suse.de werfen (Suchwort "8.0").
Die Anzahl der Fehler und mittlerweile aufgelaufenen Updates ist in Anbetracht der kurzen Zeit beträchtlich.
Insbesondere störend: Die Installation von DSL ist offenbar nur für Einzelplätze ohne Netzkarte geprüft worden. Ist eine Netzkarte vorhanden, kann das Installieren von DSL die Netzkonfiguration aufmischen. Das sollte einem Distributor eigentlich nicht unterlaufen.
Auch hier hilft ein Blick auf die gute Supportdatenbank von SuSE. Hier wird genau beschrieben, wie man das Problem bewältigen kann. Wenn man denn eine andere Möglichkeit hat diese Informationen abzurufen. Von dem Umstand, daß man gerade bei dem Internetzugang Probleme hat, die von SuSE hausgemacht sind, zeigte sich der telefonische Support unbeeindruckt.
Für Hilfe in diesen Fällen, in denen ein schlichtes Ablesen aus der Supportdatenbank ausgereicht hätte, verlangte der Support das Entrichten eines stolzen Betrages um ein Ticket aufmachen zu können. So beginnt man leider auch hier mit unsauberen und schlecht getesteten Produktfortführungen gerade dem durchschnittlich gebildeten Laien das Geld aus der Tasche zu ziehen. - Vor der Updatefunktion muß leider wieder gewarnt werden. Bei sieben Tests verliefen fünf Updates gut - die anderen beiden aber gingen total daneben und bedurften einer Neuinstallation.
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Die "Personal"-Version sollte man sich verkneifen.
Es fehlt ein beträchtlicher Teil der Handbücher, ohne die ein Umsteiger nicht auskommt. Gegen eine eingeschränkte Paketauswahl ist sicherlich nichts einzuwenden, aber hier wird doch etwas zu massiv eingeschränkt.
Wer ein Linux "nur zum Reinschnuppern" haben will, sollte sich nach downloadbaren anderen Produkten umsehen, z.B. die Minimalversion von Mandrake.
Fazit
Wer sich strikt an die vorgegebenen Auswahlen und Vorstellungen von SuSE
hält, kann sehr einfach ein lauffähiges System aufsetzen. In diesem
Sinne hat SuSE wirklich gute Arbeit geleistet.
Die Hardwareerkennung funktionierte weitestgehend ohne Probleme. Wer von Windows umsteigt,
dürfte sich freuen, denn dann geht es einfacher als ein Windows-Setup.
Allerdings ist SuSE damit in einigen Punkten zu sehr Windows-ähnlich
geworden. Wer vom Pfad der SuSE-Tugenden abweicht und eigene
Konfigurationen oder Paketauswahlen einbringen möchte, wird durch
zunehmende Probleme bestraft.
Damit geht einer der ausschlaggebenden Vorzüge von Linux - einfache
schnelle Anpassbarkeit - ein ganzes Stück weit den Bach herunter.
Der Verzicht auf Yast1 schadet besonders beim Einsatz in Firmennetzwerken, weil dank
Yast2 die Fernwartung von Rechnern unnötig erschwert wurde.
Stattdessen entwickelt sich SuSE immer mehr zu einer Einsteigerdistribution für Heimanwender.
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Kernel 2.4.18
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SuSE Homepage: www.suse.de
Screenshots mit freundlicher Genehmigung der SuSE Linux AG
SuSE und Yast sind eingetragene Warenzeichen der SuSE GmBH.
Linux ist ein eingetragenes Warenzeichen von Linus Torvalds.
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