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Artikel vom 15.04.05
Autor: Ronny Ziegler
Languages: en
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Ubuntuisierung

Ubuntu ist der neue Stern am Distributionshimmel und hat einen Trubel um sich entwickeln können, den seine Wurze, die alte Dame Debian, nie erreicht hat. Ob dies wirklich gerechtfertigt ist, soll im folgenden näher betrachtet werden.

Ubuntu - Linux for Human Beings...

...dieser Schriftzug begrüßt uns auf der Ubuntu Homepage, was uns somit gleich zeigt, daß wir hier zumindest richtig sind. Freundliche sich gegenseitig umarmende Menschen lächeln uns an und wir erhalten den Hinweis, daß Ubuntu etwas bedeutet wie:

"I am what I am because of who we all are"

und es fällt schwer solche langen Sätze mit gleichzeitig so wenig Inhalt zu übersetzen.


Fig1. Ubuntu-Financier Mark Shuttleworth

Linux hat augenscheinlich mittlerweile die Marketing-Abteilungen erreicht und diese bescheren uns die erste Rundumwohlfühl-Distribution.
Schaut man in die Foren, so zieht dies anscheindend auf den ersten Blick alle diejenigen H4cker an, die mit den Gentoo Compiler-Flags nicht zurechtgekommen sind. Aber dieser Eindruck täuscht, denn schnell merkt man, daß hinter Ubuntu in der Tat eine sehr qualifizierte Entwickergemeinde steht, die jedoch weit weniger Lärm macht, und wahrscheinlich mit mitte 20 irgendwann aufgehört hat, heldenhafte Rechner-Uptimes in der Signatur zu erwähnen.

Der Test

Ubuntu basiert auf Debian und erscheint in festen Zyklen, alle sechs Monate. So hat man es sich zumindest vorgenommen. Versionsnummern richten sich nach Jahreszahl und Monat. Die Version 5.04 erschien dann auch pünktlich, was somit gleich einer der größten Unterschiede zu Debian ist.
Man kann die Distribution als 600MB großes Iso-Image unter http://www.ubuntulinux.org/download/ herunterladen oder mittels Bittorrent erhalten. Als besonderen Service kann man sich die CD unter http://shipit.ubuntulinux.org/ sogar kostenlos zuschicken lassen.

Installationsprogramm
Fig2. Installationsprogramm

Die Installation erfolgt nur auf der Textkonsole, was im Vergleich zu den anderen großen Distribution anachronistisch wirkt. Eigentlich stellt dies natürlich keinerlei Problem da, der Funktionsumfang bleibt der selbe, aber eine Distribution, die einsteigerfreundlich wirken möchte, braucht heutzutage bunte Bilder und Hilfstexte in einem extra Frame wärhend der Installation. Das mußte man in den letzten drei Jahren von den beiden Großen lernen.
Spätestens bei der Festplattenpartitionierung ist es mit der Einsteigerfreundlichkeit vorbei. Mit etwas Erfahrung in Unix-Nomenklatur stellt dieser Schritt kein wirkliches Hindernis da, aber für Einsteiger ist dieser Abschnitt noch immer der unverständlichste. Nur läßt sich dies auch nur schwerlich vereinfachen, ohne die Daten des Benutzers zu gefährden.

Die Installation verlief problemlos, bis auf die Netzwerkkarte, die nicht automatisch erkannt werden konnte. Eine standard NE2000-PCI Netzwerkkarte mit RTL8390 Chipsatz, der bisher noch nie von einer Distribution nicht erkannt wurde. Es existiert allerdings auch gar nicht die Möglichkeit dem Installationsprogramm bei einem Treiber-Problem den Kartentyp oder Moduloptionen mitzuteilen. Also mußten die Module per Hand auf der zweiten Konsole nachgeladen werden.

Während der Installation wird sofort ein Benutzer (neben root) für die tägliche Arbeit angelegt. Ein Root-Passwort wird gar nicht erst abgefragt, was wiederrum bei Nicht-Einsteigern zu etwas Verwirrung führen kann. Die Installation der Pakete verlief problemlos, nur bei der abschließenden Abfrage an einen Server nach bereits vorhandenen Sicherheitsupdates stoppte die Installation knapp 10 Minuten lang, lief dann nach dem Timeout ohne Hinweis oder Fehlermeldung weiter.

Der Desktop

Desktop
Fig3. Ubuntu Gnome Desktop

Nach dem Neustart wird man von einem Gnome 2.10.0 Desktop begrüßt. Die Farben sind braun gehalten und erinnern etwas an 60 Jahre Stil, der zwar momentan wieder in Mode gekommen ist, aber voraussichtlich auch genauso schnell wieder verschwinden wird. Wer viel vor dem Desktop stizen muß wird hier schnell zu augenfreundlicheren Farbtönen wechseln.

KDE läßt sich problemlos nachinstallieren, soweit man im Besitz einer DSL-Verbindung ist. Ansonsten empfiehlt sich der Griff zur alternativen Distribution Kubuntu http://www.kubuntu.org/, die statt Gnome die KDE-Oberfläche als Standard einsetzt.

Der Paketumfang nach der Installation ist sehr gering. Für jede Aufgabe existiert genau ein Programm, wenn überhaupt. OpenOffice, Evolution, Gaim, Bittorrent, Gimp, Totem decken die wichtigsten Bereiche ab. Dadurch bleibt das Menü sehr übersichtlich, für Linux-Einsteiger sehr angenehm.

Kommt man von anderen Distributionen, dann vermisst man schnell eine Reihe von Applikationen, speziell im Media-Bereich. Und obwohl dies auf den ersten Blick wie eine Schwäche aussieht, spielt Ubuntu genau hier seine wirkliche Stärke aus. Wegen der Basis auf Debian und seines wohldurchdachten Paketmanagements erhält man Zugriff auf eine Unmenge weiterer Programme, wenn man denn weiß wie. Aber dank der bereits jetzt sehr großen Ubuntu-Gemeinschaft und der guten Online-Dokumentation ist es ein leichtes, die nötigen Schritte herauszufinden.
Zunächst sollten die zusätzlichen Repositories universe, multiverse und marillat aktiviert werden, um Zugriff auf die weiteren Aplikationen zu erhalten.

/etc/apt/sources.list
  deb http://de.archive.ubuntu.com/ubuntu hoary universe
  deb-src http://de.archive.ubuntu.com/ubuntu hoary universe
  
  deb http://de.archive.ubuntu.com/ubuntu hoary multiverse
  deb-src http://de.archive.ubuntu.com/ubuntu hoary multiverse
  
  deb ftp://ftp.nerim.net/debian-marillat stable main
  deb ftp://ftp.nerim.net/debian-marillat unstable main
  deb ftp://ftp.nerim.net/debian-marillat testing main
  
  deb http://security.ubuntu.com/ubuntu hoary-security universe
  deb-src http://security.ubuntu.com/ubuntu hoary-security universe
  


Geht man dann Schrittweise die Anleitung zur Nachinstallation der wichtigsten Applikationen unter http://www.ubuntuguide.org/ durch, erhält man breits einen Großteil der gewohnten Programme. Alles weitere läßt sich über den grafischen Paketmanager Synaptic oder wie bekannt über das Konsolen-Programm apt-get verwalten. Beim Zugriff auf diese Systemprogramme wird ein Passwort benötigt, aber nicht das root-Passwort, welches schließlich bei der Installation nie abgefragt wurde, sonder das Passwort des bei der Installation angelegten Beutzers.
Notwendige Aktualisierungen der Pakete werden über einen Warnhinweis im Gnome-Panel angezeigt. Die Konfiguration einzelner Komponenten wie Hardware und Systemeinstellung erfolgt über einzelne Hilfsprogramme im System-Menü. Ein zentrales Konfigurationsprogramm wird nicht eingesetzt.
Nachinstallierte Porgramme, die noch GTK-1.2 benutzen passen sich allerdings nur sehr schlecht nicht in das bestehende Desktop-Design ein und erschrecken mit klobigen Fonts.

Fazit

Mein Desktop
Fig4. Mein Desktop

In wie weit die Entwicklung von Ubuntu Auswirkungen auf Debian hat wird die Zukunft noch Zeigen müssen. Ob es ein Nachteil sein wird, daß einige Entwickler von Debian zu Ubuntu hinübergezogen wurden ist noch umstritten.
Aber es mehren sich Befürchtungen, daß Ubuntu mehr von Debian profitiert als umgekehrt. (siehe auch Ubuntu versus Debian Sarge?).
Aber was das Ubuntu-Team erreicht hat ist schon beeindruckend. Bis auf kleine Stolpersteine während der Installation hat man es wirklich geschafft eine sehr Einsteigerfreundliche Distribution zusammenzustellen. Um ehrlich zu sein sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Distributionen mittlerweile nur noch marginal und existieren höchsten noch an der Oberfläche. Standard-Desktopdesign und distributionseigenes Konfigurationstool (soweit man auf dieses dann überhaupt zurückgreift) sind heutzutage der einzige Weg, um sich von den Konkurrenten abzusetzen. Verschiedene Paket-Managementsysteme verschwinden hinter ähnlich aussehenden grafischen Oberflächen oder mittlerweile sogar ähnlich zu bedienenden Konsolen-Tools.
Mit etwas Anpassungsarbeit an eigene Wünsche läßt sich jede Distribution für die von einem persönlich gewohnte Arbeitsweise einsetzen. Ubuntu spricht dadurch nicht nur den Einsteiger an, sonder liefert dem erfahrenen Anweder durchaus eine gut gestaltete Grundlage, um ein System sehr schnell an seine eigenen Bedürfnisse anzupassen. Die Basis auf Debian und die große Auswahl der an Ubuntu angepassten Applikationen in den zusätzlichen Repositories gestalten das Arbeiten mit Ubuntu sehr angenehm.
Der Einsteiger hat sein einfach zu bedienden Desktop mit den nötigsten Applikationen, alle anderen ein aktuelles Debian-System.

Auch dieser Text wurde (wie man in Abbildung 4 sehen kann) unter Ubuntu geschrieben und ich werde bestimmt für die nächste Zeit bei diesem System bleiben. Nicht nur weil es wirklich Spaß macht damit zu arbeiten, sondern weil auch überhaupt nicht die Notwendigkeit besteht, wieder zu wechseln.

Links




Anmerkungen zu diesem Artikel


[1]  Dapper 6.06 Flight 7 a2d230-5-2006


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