Ubuntuisierung
Ubuntu ist der neue Stern am Distributionshimmel und hat einen Trubel
um sich entwickeln können, den seine Wurze, die alte Dame Debian, nie
erreicht hat. Ob dies wirklich gerechtfertigt ist, soll im folgenden
näher betrachtet werden.
Ubuntu - Linux for Human Beings...
...dieser Schriftzug begrüßt uns auf der Ubuntu Homepage,
was uns somit gleich zeigt, daß wir hier zumindest richtig sind. Freundliche sich
gegenseitig umarmende Menschen
lächeln uns an und wir erhalten den Hinweis, daß Ubuntu etwas bedeutet wie:
und es fällt schwer solche langen Sätze mit gleichzeitig so wenig Inhalt zu übersetzen.
Fig1. Ubuntu-Financier Mark Shuttleworth
Linux hat augenscheinlich mittlerweile die Marketing-Abteilungen erreicht
und diese bescheren uns die erste Rundumwohlfühl-Distribution.
Schaut man in
die Foren, so zieht dies anscheindend auf den ersten Blick alle diejenigen
H4cker an, die mit den Gentoo Compiler-Flags nicht zurechtgekommen sind. Aber
dieser Eindruck
täuscht, denn schnell merkt man, daß hinter Ubuntu in der Tat eine sehr qualifizierte
Entwickergemeinde steht, die jedoch weit weniger Lärm macht, und wahrscheinlich
mit mitte 20 irgendwann aufgehört hat, heldenhafte Rechner-Uptimes in der
Signatur zu erwähnen.
Der Test
Ubuntu basiert auf Debian und erscheint in festen Zyklen, alle sechs Monate.
So hat man es sich zumindest vorgenommen. Versionsnummern richten sich
nach Jahreszahl und Monat. Die Version 5.04 erschien dann auch pünktlich, was
somit gleich einer der größten Unterschiede zu Debian ist.
Man kann die Distribution als 600MB großes Iso-Image unter
http://www.ubuntulinux.org/download/
herunterladen oder mittels Bittorrent erhalten. Als besonderen Service kann man
sich die CD unter http://shipit.ubuntulinux.org/
sogar kostenlos zuschicken lassen.
Die Installation erfolgt nur auf der Textkonsole, was im Vergleich zu den
anderen großen Distribution anachronistisch wirkt. Eigentlich stellt dies
natürlich keinerlei Problem da, der Funktionsumfang bleibt der selbe,
aber eine Distribution, die einsteigerfreundlich wirken möchte, braucht
heutzutage bunte Bilder und Hilfstexte in einem extra Frame wärhend der
Installation. Das mußte man in den letzten drei Jahren von den
beiden Großen lernen.
Spätestens bei der Festplattenpartitionierung ist es mit der
Einsteigerfreundlichkeit vorbei. Mit etwas Erfahrung in Unix-Nomenklatur
stellt dieser Schritt kein wirkliches Hindernis da, aber für Einsteiger
ist dieser Abschnitt noch immer der unverständlichste. Nur läßt sich dies
auch nur schwerlich vereinfachen, ohne die Daten des Benutzers zu gefährden.
Die Installation verlief problemlos, bis auf die Netzwerkkarte, die nicht automatisch erkannt werden konnte. Eine standard NE2000-PCI Netzwerkkarte mit RTL8390 Chipsatz, der bisher noch nie von einer Distribution nicht erkannt wurde. Es existiert allerdings auch gar nicht die Möglichkeit dem Installationsprogramm bei einem Treiber-Problem den Kartentyp oder Moduloptionen mitzuteilen. Also mußten die Module per Hand auf der zweiten Konsole nachgeladen werden.
Während der Installation wird sofort ein Benutzer (neben root) für die tägliche Arbeit angelegt. Ein Root-Passwort wird gar nicht erst abgefragt, was wiederrum bei Nicht-Einsteigern zu etwas Verwirrung führen kann. Die Installation der Pakete verlief problemlos, nur bei der abschließenden Abfrage an einen Server nach bereits vorhandenen Sicherheitsupdates stoppte die Installation knapp 10 Minuten lang, lief dann nach dem Timeout ohne Hinweis oder Fehlermeldung weiter.
Der Desktop
Nach dem Neustart wird man von einem Gnome 2.10.0 Desktop begrüßt. Die Farben sind braun gehalten und erinnern etwas an 60 Jahre Stil, der zwar momentan wieder in Mode gekommen ist, aber voraussichtlich auch genauso schnell wieder verschwinden wird. Wer viel vor dem Desktop stizen muß wird hier schnell zu augenfreundlicheren Farbtönen wechseln.
KDE läßt sich problemlos nachinstallieren, soweit man im Besitz einer DSL-Verbindung ist. Ansonsten empfiehlt sich der Griff zur alternativen Distribution Kubuntu http://www.kubuntu.org/, die statt Gnome die KDE-Oberfläche als Standard einsetzt.
Der Paketumfang nach der Installation ist sehr gering. Für jede Aufgabe existiert genau ein Programm, wenn überhaupt. OpenOffice, Evolution, Gaim, Bittorrent, Gimp, Totem decken die wichtigsten Bereiche ab. Dadurch bleibt das Menü sehr übersichtlich, für Linux-Einsteiger sehr angenehm.
Kommt man von anderen Distributionen, dann vermisst man schnell eine Reihe
von Applikationen, speziell im Media-Bereich. Und obwohl dies auf den
ersten Blick wie eine Schwäche aussieht, spielt Ubuntu genau hier seine
wirkliche Stärke aus. Wegen der Basis auf Debian und seines wohldurchdachten
Paketmanagements erhält man
Zugriff auf eine Unmenge weiterer Programme, wenn man denn weiß wie. Aber
dank der bereits jetzt sehr großen Ubuntu-Gemeinschaft und der guten
Online-Dokumentation ist es ein leichtes, die nötigen Schritte herauszufinden.
Zunächst sollten die zusätzlichen Repositories universe, multiverse und
marillat aktiviert werden, um Zugriff auf die weiteren Aplikationen
zu erhalten.
| /etc/apt/sources.list |
deb http://de.archive.ubuntu.com/ubuntu hoary universe deb-src http://de.archive.ubuntu.com/ubuntu hoary universe deb http://de.archive.ubuntu.com/ubuntu hoary multiverse deb-src http://de.archive.ubuntu.com/ubuntu hoary multiverse deb ftp://ftp.nerim.net/debian-marillat stable main deb ftp://ftp.nerim.net/debian-marillat unstable main deb ftp://ftp.nerim.net/debian-marillat testing main deb http://security.ubuntu.com/ubuntu hoary-security universe deb-src http://security.ubuntu.com/ubuntu hoary-security universe |
Geht man dann Schrittweise die Anleitung zur Nachinstallation der wichtigsten
Applikationen unter http://www.ubuntuguide.org/
durch, erhält man breits einen Großteil der gewohnten Programme. Alles
weitere läßt sich über den grafischen Paketmanager Synaptic oder wie bekannt
über das Konsolen-Programm apt-get verwalten. Beim Zugriff auf diese
Systemprogramme wird ein Passwort benötigt, aber nicht das root-Passwort, welches
schließlich bei der Installation nie abgefragt wurde, sonder das Passwort des
bei der Installation angelegten Beutzers.
Notwendige Aktualisierungen der Pakete werden über einen Warnhinweis im
Gnome-Panel angezeigt. Die Konfiguration einzelner Komponenten wie Hardware
und Systemeinstellung erfolgt über einzelne Hilfsprogramme im System-Menü.
Ein zentrales Konfigurationsprogramm wird nicht eingesetzt.
Nachinstallierte Porgramme, die noch GTK-1.2 benutzen passen sich allerdings
nur sehr schlecht nicht in das bestehende Desktop-Design ein und erschrecken
mit klobigen Fonts.
Fazit
In wie weit die Entwicklung von Ubuntu Auswirkungen auf Debian hat wird
die Zukunft noch Zeigen müssen. Ob es ein Nachteil sein wird, daß einige
Entwickler von Debian zu Ubuntu hinübergezogen wurden ist noch umstritten.
Aber es mehren sich Befürchtungen, daß Ubuntu mehr von Debian profitiert
als umgekehrt. (siehe auch
Ubuntu versus Debian Sarge?).
Aber was das Ubuntu-Team erreicht hat ist schon beeindruckend. Bis auf kleine
Stolpersteine während der Installation hat man es wirklich geschafft eine
sehr Einsteigerfreundliche Distribution zusammenzustellen. Um ehrlich zu sein sind
die Unterschiede zwischen den verschiedenen Distributionen mittlerweile nur noch
marginal und existieren höchsten noch an der Oberfläche. Standard-Desktopdesign
und distributionseigenes Konfigurationstool (soweit man auf dieses dann überhaupt
zurückgreift) sind heutzutage der einzige Weg, um sich von den Konkurrenten
abzusetzen. Verschiedene Paket-Managementsysteme verschwinden hinter ähnlich
aussehenden grafischen Oberflächen oder mittlerweile sogar ähnlich zu
bedienenden Konsolen-Tools.
Mit etwas Anpassungsarbeit an eigene Wünsche läßt sich jede Distribution
für die von einem persönlich gewohnte Arbeitsweise einsetzen. Ubuntu spricht
dadurch nicht nur den Einsteiger an, sonder liefert dem erfahrenen Anweder
durchaus eine gut gestaltete Grundlage, um ein System sehr schnell an seine
eigenen Bedürfnisse anzupassen. Die Basis auf Debian und die große
Auswahl der an Ubuntu angepassten Applikationen in den zusätzlichen
Repositories gestalten das Arbeiten mit Ubuntu sehr angenehm.
Der Einsteiger hat sein einfach zu bedienden Desktop mit den nötigsten
Applikationen, alle anderen ein aktuelles Debian-System.
Auch dieser Text wurde (wie man in Abbildung 4 sehen kann) unter Ubuntu geschrieben und ich werde bestimmt für die nächste Zeit bei diesem System bleiben. Nicht nur weil es wirklich Spaß macht damit zu arbeiten, sondern weil auch überhaupt nicht die Notwendigkeit besteht, wieder zu wechseln.
Links
- Ubuntu Homepage: www.ubuntulinux.org
- Deutsche Community: www.ubuntuusers.de
- Deutsches Forum: www.ubuntu-forum.de
- Inoffizielle Ubuntu-Anleitung: www.ubuntuguide.org
- Ubuntu versus Debian Sarge?
Anmerkungen zu diesem Artikel
| [1] | Dapper 6.06 Flight 7 | a2d2 | 30-5-2006 |
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