Die Dialin-Server Konfiguration unter SuSE 8.0 ist (noch) nirgends dokumentiert.
Diese Dokumentation richtet sich an Linux-Benutzer, die schon ein paar Erfahrungen
in der Netzwerkkonfiguration haben, und die mit den Begriffen ISP, ppp, Schnittstelle
und Authentifizierung etwas anfangen können.
Ich denke, es ist relativ schwierig, das Thema einem absoluten Neuling ohne
gewisse Voraussetzungen verständlich zu machen.
Unter SuSE 8.0 stehen die Dateien, die Du zur Konfiguration benötigst, in den Verzeichnissen
/etc/sysconfig/isdn /etc/ppp/
In /etc/sysconfig/isdn wird die ISDN-Hardware in den Dateien cfg-contrx
konfiguriert. So steht die Hardwarekonfiguration der ersten ISDN-Karte in
cfg-contr0, die der zweiten (soweit vorhanden) in cfg-contr1 usw.
Die Schnittstellen zu den Internet-Providern und für die
Dialin-Zugänge werden in den Dateien cfg-netx konfiguriert.
In /etc/ppp stehen die Authentifizierungsdateien /etc/ppp/pap-secrets sowie
/etc/ppp/chap-secrets und die Optionsdateien für den Verbindungsaufbau, die
den Schnittstellen und den Providern zugeordnet sind. Klingt auf den ersten
Blick etwas verwirrend, ist aber logisch aufgebaut. Zu jeder Verbindung
(Internet oder Dialin) gehört eine Optionsdatei, deren Name wie folgt
aufgebaut ist:
options.Schnittstelle.Providerz.B. für Deinen ersten ISP (Internet Service Provider) an der ersten Schnittstelle ippp0:
options.ippp0.ISP1wobei ISP1 hier nur einen Platzhalter für den Verbindungsnamen Deines ersten ISP darstellt.
Die folgende Übersicht soll helfen, die Zusammenhänge zwischen Anzahl der ISPs, Numerierung der Schnittstellendateien und Benennung der Optionsdateien zu verstehen:
Die senkrechte Spalte gibt Auskunft über die Anzahl der eingerichteten Internet-Verbindungen.
| Übersichtstabelle | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Zu beachten ist hierbei, daß SuSE chronologisch vorgeht, d.h. die Schnittstellen werden den Verbindungen in der Reihenfolge Ihrer Einrichtung zugeordnet.
Wenn Du bereits mit Yast2 Deine ISDN-Karte und eine Verbindung zu einem Internet-Provider eingerichtet hast, gestaltet sich die Einrichtung eines Dialin-Zugangs, der parallel auf derselben ISDN-Karte betrieben wird, als relativ einfach.
WICHTIG: Hier wird vorausgesetzt, daß Du nur eine Verbindung zu einem Internet-Provider eingerichtet hast.

Beispiel:
Mein Linux-Server: 192.168.245.254
Lokale IP-Adresse: 192.168.245.253
Entfernte IP-Adresse: 192.168.245.252
Wenn Du kein internes Netzwerk hast, kannst Du folgende Werte verwenden:
Lokale IP-Adresse: 192.168.0.253
Entfernte IP-Adresse: 192.168.0.252

| /etc/sysconfig/isdn/cfg-net1 |
CALLBACK="off" CHARGEHUP="on" COMPRESSION="no" DEFAULTROUTE="no" DIALMODE="auto" DYNAMICIP="no" FIREWALL="no" IDLETIME="300" IPADDR="192.168.245.253" # Deine lokale IP-Adresse MSN="xxxxx" # Deine MSN MULTILINK="no" PROTOCOL="syncppp" PROVIDER="dialin" PTPADDR="192.168.245.252" # Deine entfernte IP-Adresse STARTMODE="onboot" USEPEERDNS="no" |
SECURE="off"(Das ist das große Geheimnis)
>> SuSEconfig --module isdn >> rcnetwork restart
Es gibt mehrere Möglichkeiten, Deinen Dialin-Zugang durch Benutzernamen und
Passwörter zu schützen.
Ich möchte hier zwei Möglichkeiten vorstellen, deren Vor- und Nachteile
gegeneinander abzuwägen sind.
Über die Dateien /etc/ppp/pap-secrets und /etc/ppp/chap-secrets kannst Du
Deinen Dialin-Zugängen Benutzernamen und Passwörter zuweisen. Diese
Benutzer haben nichts mit den Linux-Benutzern zu tun. Sie sind von den
Benutzern in Deinem System vollkommen unabhängig und besitzen keine
Zugriffsrechte im Dateisystem. Diese Benutzer können lediglich auf alle
von Dir zur Verfügung gestellten Dienste (z.B. WWW,FTP,Mail,X)
zugreifen.
Vorteile dieser Art der Authentifizierung sind die sehr einfache
Konfiguration sowie die Tatsache, daß der eingewählte Benutzer keine
direkten Zugriffsrechte auf das Dateisystem erhält.
Der Nachteil dieser Methode ist der Aufbau der Dateien
/etc/ppp/pap-secrets und /etc/ppp/chap-secrets.
In diesen Dateien werden nämlich einerseits die Benutzernamen und
Passwörter für Deine Internetzugänge und andererseits die
Benutzernamen und Passwörter für Deine Dialin-Zugänge gespeichert und
gleichwertig behandelt.
Wäre also ein Fremder in der Lage, die Zugangsdaten eines Deiner
Internetzugänge zu erraten, hätte er mit diesen Daten Zugriff auf Deinen
Dialin-Zugang.
Der Einfachheit halber beschränke ich mich hier auf die Authentifizierung über PAP.
| Beispiel für /etc/ppp/pap-secrets |
"AnschlusskennungTeilnehmernummerMitbenutzernummer" * "DeinPassWort" # Dein abc Internetzugang "Threenet" * "Threenet" # Dein xyz Internetzugang "DialinBenutzer" * "DialinPasswort" # Benutzername und Passwort für Deinen Dialin-Zugang |
Wenn Du Dir Deine eigene /etc/ppp/pap-secrets ansiehst, wirst Du feststellen, daß Deine Passwörter hier unverschlüsselt, also im Klartext, stehen. Diese Datei darf also nur für root lesbar sein.
Hier kannst Du nun weitere Benutzer nach dem Schema
"Benutzername" * "Passwort"eintragen.
Zusätzlich muß Deine /etc/ppp/options.ippp1.dialin angepaßt werden:
| /etc/ppp/options.ippp1.dialin |
/dev/ippp1 ipcp-accept-local ipcp-accept-remote noipdefault netmask 255.255.255.255 useifip mtu 1500 mru 1524 |
Hänge hier folgende Zeilen an:
auth +pap -chapSpeichere die Datei und starte mit
>> rcnetwork restartDeine Netzwerkschnittstellen neu.
Beachte, daß diese Datei nach jedem Aufruf von SuSEconfig in den
Originalzustand zurückversetzt wird. Dadurch gehen Dir wichtige
Einstellungen verloren.
Um das zu vermeiden, nimmst Du Dir selbst die Schreibrechte auf diese Datei:
>> chmod 444 /etc/ppp/options.ippp1.dialinNun wird SuSEconfig nichts mehr verändern.
>> chmod 644 /etc/ppp/options.ippp1.dialinNun ist Dein Dialin-Zugang bereit.
Der Vorteil der Authentifizierung über PAP und login besteht darin, daß Du
eindeutig festlegen kannst, welche Benutzer auf welche Dialin-Zugänge
zugreifen dürfen. Außerdem besteht hier nicht die Gefahr, daß ein Fremder
durch Erraten der Zugangsdaten eines Deiner Internetzugänge Zugriff auf
Deinen Dailin-Zugang erhält.
Der Nachteil dieser Methode ist die Tatsache, daß sich Dialin-Benutzer hier
wirklich als Linux-Benutzer einloggen und somit auch Zugriffsrechte auf das
Dateisystem erlangen. Du solltest also die hierfür von Dir vorgesehenen
Benutzer mit möglichst wenig Rechten ausstatten.
Erstelle also mit Yast2 die entsprechenden Benutzer und Gruppen.
Beispiel: Neu erstellte Gruppe: einwahl Gruppenmitglieder: Neuer Benutzer tim Neuer Benutzer antje Neuer Benutzer ingoDu solltest genau wissen, was Du tust, denn diese Benutzer erhalten durch den Dialin-Zugang Zugriff von außen, wodurch sie bei schlecht konfigurierten Zugriffsrechten zu einem erheblichen Sicherheitsrisiko werden können.
Anschließend editierst Du Deine /etc/ppp/pap-secrets:
| /etc/ppp/pap-secrets |
"AnschlusskennungTeilnehmernummerMitbenutzernummer" * "DeinPassWort" # Dein abc Internetzugang "Threenet" * "Threenet" # Dein xyz Internetzugang |
Füge folgende Zeilen hinzu:
"tim" * "" "antje" * "" "ingo" * ""Trage hier niemals root ein!
| /etc/ppp/options.ippp1.dialin |
/dev/ippp1 ipcp-accept-local ipcp-accept-remote noipdefault netmask 255.255.255.255 useifip mtu 1500 mru 1524 |
Füge folgende Zeilen hinzu:
user "tim" user "antje" user "ingo" auth login +pap -chapTrage hier niemals root als user ein!
>> rcnetwork restartDeine Netzwerkschnittstellen neu.
Beachte, daß diese Datei nach jedem Aufruf von SuSEconfig in den
Originalzustand zurückversetzt wird. Dadurch gehen Dir wichtige
Einstellungen verloren.
Um das zu vermeiden, nimmst Du Dir selbst die Schreibrechte auf diese Datei:
>> chmod 444 /etc/ppp/options.ippp1.dialinNun wird SuSEconfig nichts mehr verändern. Um sich die Schreibrechte für diese Datei wieder zu geben:
>> chmod 644 /etc/ppp/options.ippp1.dialinDein Dialin-Zugang ist bereit.
>> whokannst Du Dir die eingeloggten Benutzer anzeigen lassen.
Hiermit kannst Du ermöglichen, daß ein Benutzer, der sich über Deinen Dialin-Zugang eingewählt hat, auf andere Rechner in Deinem Netzwerk zugreifen kann, wenn diese Netzwerkdienste zur Verfügung stellen.
ACHTUNG! NUR FÜR EXPERTEN!
Sofern Ihm dies nicht ausdrücklich untersagt wird, routet Dein
Linux-Rechner Pakete zwischen internen Netzwerkschnittstellen.
Der Autor übernimmt keine Verantwortung für eventuelle Folgeschäden (z.B.
Übergriffe aus dem Internet auf Deinen Rechner oder Dein Netzwerk)
WENN DU NICHT GENAU WEISST, WAS DU TUST, SOLLTEST DU GENAU HIER AUFHÖREN!
In der Datei /etc/sysconfig/sysctl muß die Option IP_FORWARD auf yes gesetzt werden.
Danach ist ein Neustart zu empfehlen.
Anschließend bearbeitest Du Deine /etc/ppp/options.ippp1.dialin:
Füge einfach folgende Zeile hinzu:
proxyarpSpeichere die Datei und entziehe Dir selbst die Schreibrechte (wg. SuSEconfig). Nach einem Neustart Deiner Netzwerkschnittstellen mit rcnetwork restart kannst Du über den Dialin-Zugang auch auf andere Rechner in Deinem Netzwerk zugreifen.