Linux auf dem Fernseher
|
DVD- und TV-Karten-Unterstützung im Kernel, verbesserter Grafikkartenzugriff für den X-Server
und MPEG-Player mit DivX-codecs. Aber was nutzt einem das alles, wenn man dabei auf seinem klapprigen Schreibtischstuhl vor dem 15-Zoll-Monitor hocken muß? |
"Konvergenz der Medien"
ist eins von den beliebten Redewendungen, mit denen uns Marketing-Experten gerne beeindrucken würden; sollen wir doch alle möglichst erfürchtig erstarren vor dem Multimedia-Kühlschrank mit Internetzugang und Webcam.
Den PC mit dem Fernseher zu verbinden, macht da schon wesentlich mehr Sinn, sei es, um
Präsentationen vorzuführen oder DivX-Filme zu schauen.
Allerdings sollte man nicht erwarten, am Fernseher seine E-mails lesen und schreiben zu können,
denn dafür ist das Fernsehbild viel zu unscharf. Viele Firmen mit derartigen internetfähigen
SetTop-Boxen lernen das nun langsam auch.
Grafikkartenhersteller sind schon lange auf diesen Zug aufgesprungen, und statten ihre Karten neben VGA- mit einem TV-Ausgang aus. Allerdings benötigen diese Karten fast immer zusätzliche Treiber, um die Grafikausgabe umzuleiten. Linux-Treiber sucht man auf der beiliegenden CD zumeist vergebens. Es geht aber auch ohne...
TV-Out selbstgebaut
Linuxler sind bekanntlich erfinderisch, und so verwundert es wenig, daß bereits Lösungen zum selbstgebauten TV-Ausgang existieren. Damit kann nun auch jeder mit einer Grafikkarte älteren Datums hoffen, seinen PC an den Fernseher anschließen zu können.
Das ganze basiert hauptsächlich auf der Flexibilität des X-Servers und dessen Modelines.
Für den X-Server ist ein Fernseher nichts anderes als ein Monitor mit schlechter Auflösung
und einer Frequenz von 50Hz.
Das einzige Problem ist ein Adapter, der zwischen dem VGA-Ausgang der Grafikkarte und dem
Scart-Eingang des Fernsehers oder Videorekorders vermittelt.
Es gibt eine große Anzahl leicht variierender Schaltungen für diesen Zweck, die von mir
getestete stammt von http://www.sput.nl/hardware/tv-x.html
und hat folgenden Aufbau:

(download EPS-File)
Die Erdungen können miteinander verbunden werden:
5,6,7,8,Shell ------------------------------------ 5,9,13,17,21
Bei einigen Fernsehern muß noch zusätzlich der Pin 16 mit einer Spannung von 0.9 bis 3 Volt
versorgt werden, damit das Gerät erkennt, daß es auf den Scart-Eingang umschalten soll.
Aber Vorsicht: Zu hohe Spannung kann beträchtlichen Schaden am Ferseher verursachen!
Die Ernüchterung
Sobald die Hardware fertiggebaut ist, geht es an die Konfiguration des X-Servers, und dieser Schritt ist wesentlich problematischer als das Basteln der Hardware.
Leider gibt es keine "Standard-Modeline", die auf allen X-Servern und noch so billigen
Grafikkarten funktioniert. Stattdessen muß jede Hardware-/Software-Kombination seine eigene ganz spezielle
X-Konfiguration finden.
Gedacht war der Adapter anfangs für ein Laptop, um diesen problemlos bei Präsentationen an
jeden beliebigen Fernseher anschließen zu können.
Nach dem Testen einer Vielzahl von Modelines, die angeblich bei anderen Benutzern
in Verbindung mit einem selbstgebauten TV-Ausgang funktionieren, mußte ich feststellen, daß
kein einziger den gewünschten Effekt erzielte.
Der Adapter selbst war aber korrekt gelötet, denn angeschlossen an einen PC mit Voodoo3-Karte
konnte das Computerbild auf dem Fernseher dargestellt werden. Nur dummerweise besitzt diese
Voodoo3-Karte bereits einen eigenen TV-Ausgang, so daß der Adapter in diesem Falle vollkommen
überflüssig ist.
Zusätzlich ist Vorsicht beim Testen von fremden Modelines geboten.
Wohl jeder hat schon mal die Warnhinweise zur Konfiguration des X-Servers gelesen,
"be careful, this program could destroy your Monitor!" und lächelnd auf "weiter"
geklickt. Normalerweise bleiben moderne Monitore schwarz, wenn eine Modeline nicht
dargestellt werden kann, schlimmstenfalls sieht man ein wirres Geflimmer auf dem Bildschirm.
Das Notebook hingegen, ein "Toshiba Satellite 1700-400", welches mit einem
ATI 3D Rage P/M Mobility Graphikchip (AGP 2x, 4MB VideoRam) ausgestattet ist, zeigte bei
einigen getesteten Modelines unter dem X-Server
XFree86 Version 3.3.6 / X Window System (protocol Version 11, revision 0, vendor release 6300) Release Date: January 8 1999einen verzerrten Desktop. In der Hoffnung auf eine bessere Grafikchipunterstützung wurde der X-Server auf die Version
XFree86 Version 4.0 / X Window System (protocol Version 11, revision 0, vendor release 6400) Release Date: 8 March 2000aktualisiert. Das Ergebnis war aber eher katastrophal, denn von nun an war es bei einigen der getesteten Modlines möglich, durch Aktivieren des externen VGA-Ausgangs, den gesamten PC zum Abstürzen zu bringen (nicht nur den X-Server!). Auch wenn das TFT-Display wohl keinen Schaden davon nehmen würde, sind Datenverluste bei solchen Abstürzen möglich, speziell beim falschen Dateisystem (Laptops sollten standardmäßig sowieso mit einem "Journaling Filesystem" installiert werden.)
Modelines
Wen dies alles nicht abschrecken kann, kann die folgenden Modelines, die sämtlich von Linux-Benutzern auf ihren Systemen als funktionsfähig genannt wurden, auf eingene Gefahr hin testen:
| Modelines |
Modeline "PAL_CCIR" 13.5 720 734 800 864 576 580 583 625 -HSync -VSync Modeline "PAL_768" 13.5 768 777 820 964 576 580 583 625 -HSync -VSync Doublescan Modeline "PAL_768" 15.0625 768 777 820 964 576 580 583 625 -HSync -VSync Doublescan Modeline "PAL_768" 15.0625 768 777 820 964 576 580 583 625 -HSync -VSync Modeline "PAL_904" 14.125 720 730 796 904 576 580 583 625 -HSync -VSync Modeline "736x575i" 14.16 736 760 824 904 575 580 585 625 interlace -hsync -vsync Modeline "640x480i" 14.16 640 712 776 904 480 532 537 625 interlace -hsync -vsync Modeline "640x480i" 14.16 640 728 792 904 480 532 537 625 interlace -hsync -vsync Modeline "736x288" 14.16 736 760 824 904 288 290 292 312 -hsync -vsync Modeline "PALi" 50.00 768 832 856 1000 576 590 595 630 Doublescan -HSync -VSync interlace Modeline "736x575i" 29.50 736 760 824 904 575 580 585 625 -HSync -VSync interlace Modeline "640x480i" 29.50 640 712 776 904 480 532 537 625 -HSync -VSync interlace Modeline "736x288" 14.40 736 760 824 904 288 290 292 312 -HSync -VSync ModeLine "TV1" 14.16 704 756 828 976 552 556 589 629 +hsync +vsync interlace Modeline "TV2" 15.00 688 790 810 960 530 560 580 625 Interlace Modeline "TV3" 15.00 688 768 800 960 516 529 537 573 Interlace Modeline "TV4" 15.00 640 728 792 960 480 509 517 573 Interlace modeline "TV5" 14.16 704 756 828 976 552 556 589 629 +hsync +vsync Interlace Modeline "TV6" 15.00 688 790 810 960 530 560 580 625 Interlace Modeline "TV7" 15.00 688 768 800 960 516 529 537 573 Interlace Modeline "TV8" 14.16 736 760 824 904 575 580 585 625 Interlace -hsync -vsync Modeline "TV9" 16.90 792 848 920 1080 532 554 559 625 -hsync -vsync interlace Modeline "TV10" 16.90 640 792 864 1080 480 532 537 625 -hsync -vsync interlace Modeline "TV11" 16.90 760 840 912 1080 480 532 537 625 -hsync -vsync interlace Modeline "TV12" 9.3 541 561 571 591 255 256 265 290 Interlace ModeLine "TV13" 15 800 856 872 952 470 490 510 525 Interlace Modeline "TV14" 14.161 690 728 792 904 271 272 288 313 +hsync +vsync Modeline "TV15" 14.16 690 728 792 904 540 544 608 625 interlace +hsync +vsync Modeline "TV16" 13.5 702 722 785 864 576 580 584 625 interlace Composite -c Modeline "TV17" 13.5 702 722 785 864 576 580 584 625 interlace -hsync -vsyn Modeline "TV18" 13.5 640 702 756 864 545 568 572 625 interlace composite |
# **********************************************************************
# Monitor section
# **********************************************************************
# Any number of monitor sections may be present
Section "Monitor"
Identifier "My Monitor"
VendorName "Unknown"
ModelName "Unknown"
[...]
Modeline "TV17" 13.5 702 722 785 864 576 580 584 625 interlace -hsync -vsyn
Modeline "TV18" 13.5 640 702 756 864 545 568 572 625 interlace composite
[...]
können sie nun in der "Screen-Sektion" genannt werden, um nach einem Neustart des X-Servers
(in der zugehörigen Farbtiefe) mittels der Tastenkombination "STRG+ALT" und "Plus" bzw. "Minus"
durchlaufen zu werden:
Section "Screen"
Driver "svga"
# Use Device "Generic VGA" for Standard VGA 320x200x256
#Device "Generic VGA"
Device "My Video Card"
Monitor "My Monitor"
[...]
Subsection "Display"
Depth 16
Modes "1280x1024" "1024x768" "800x600" "TV17" "TV18"
ViewPort 0 0
EndSubsection
[...]
Sehr hilfreich wäre es, wenn man eine Liste an Modelines zusammenstellen könnte, die bei
der jeweiligen Hard- und Software mit obigen TV-Adapter funktionierten.
funktionsfähige Modelines:
- Voodoo3-3000 (mit TV-Ausgang)
XFree86 Version 3.3.6
Modeline "TV18" 13.5 640 702 756 864 545 568 572 625 interlace composite
Wer weitere erfolgreiche Konfigurationen parat hat, sollte sie uns (z.B. über den am Ende des Artikels befindlichen Kommentarbereich) mitteilen, so daß wir diese Liste erweitern können.
Während dieser Teil das Herstellen und Konfigurieren eines selbstgebauten TV-Ausgangs
erklärt, befaßt sich der zweite Teil des Artikels mit dem Konfigurieren von Karten mit
eingebautem TV-Ausgang an den Beispielen einer Voodoo3 und einer NVidia Geforce.
hier gehts weiter...
Anmerkungen zu diesem Artikel
| [2] | Linux auf dem Fernseher | caipi | 21-4-2005 |
| [2] | Schaltungen (VGA-SCAT) | Manuel | 03-2-2004 |
| [3] | Frage bezüglich Videos unter Linux | mayrjohannes | 16-5-2003 |
Eigene Anmerkung eintragen