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Artikel vom 10.12.2001
Autor: Sascha Kloss
Languages: en
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Linux Mandrake 8.1 - Testbericht

Linux Mandrake 8.1 - der zweite Geselle in der 8er Reihe bei Mandrake - wird in diesem Bericht auf Herz und Nieren getestet. Lohnt sich die Anschaffung des 89,- DM teuren Paketes? Läuft es auch auf meinem System? All diese Fragen sollen in diesem Testbericht unter die Lupe genommen werden.
Das passt alles in solch ein Paket


Mandrake ist ein Distributor aus Frankreich, der auf der Basis von RedHat's Linux eine eigenständige, erweiterte Distribution entwickelt. Als Abkürzung wird folgend MDK stellvertretend für ManDraKe [Linux] verwendet. Vergleichen werde ich ggf. mit MDK 8.0 und SuSE 7.0 Professional. Der Bericht wird so einfach formuliert wie möglich, jedoch kann es vorkommen, dass einige Details zu unverständlich sind. Sollte dies der Fall sein, so schreibt Eure Fragen in den Kommentarbereich am Ende des Artikels

Um MDK8.1 ausgiebig testen zu können, habe ich zwei aktuelle Systeme zur Testinstallation zu Rate gezogen. System I ist mit "Linux-Ready" Hardware ausgestattet, d.h. zu jeder notwendigen Hardware ist der Chipsatz bekannt und unterstützt. Die ISA Netzwerkkarte wurde mit Absicht von Plug'n'Play auf feste IRQ und IO Werte gesetzt, da MDK8.0 damit seine Probleme hatte. Wenn die Karte auf der "Factory-Setting" Plug'n'Play belassen wird, finden MDK8.0 & MDK8.1 die Karte ohne Probleme. Die Grafikkarte ist zu Testzwecken auch an passender Stelle, da so die Kompatibilität mit aktueller Hardware getestet werden kann.


System I
Mainboard
ABIT KT7
Prozessor
Duron@700MHz
RAM
640 MB,CL2, @100MHz
SCSI
Tekram DC-390
Festplatte
IBM DTLA307030
TV Karte
Hauppauge WinTV
Soundkarte
Creative AudioPCI128
Brenner
Traxdata CDR4120PRO (SCSI)

Traxdata CDRW8432 (IDE)
Netzwerkkarten
RealTek 8139 (PCI)

RealTek 8129 (ISA)
Grafikkarte
GeForce3 Ti500



System II ist ein Sony VAIO PCG-FX301. Als Probleme können nur die Grafikkarte und der Firewireanschluss in Betracht kommen. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass keine dieser Komponenten irgendwelche Probleme bereitete.

System II
Hersteller
Sony
Prozessor
mobile Duron@800MHz
RAM
256MB, CL2, @100MHz
Festplatte
10GB IBM DTNA307010
Netzwerk
RealTek 8139
Firewire
IEEE1394
Grafikkarte
ATI RageMobility-M1 AGP
Sound
Chipsatz: ES1371


III. Bezugsquellen

Mandrake Linux kann - ohne zusätzliche Kosten - direkt aus dem Internet von der Mandrake Seite via FTP oder HTTP heruntergeladen werden. Dieser Download umfasst 2 CDs im ISO Format. Von der ersten CD kann dann die Installation direkt gestartet werden.
Das PowerPack (Preis: 89,- DM) hingegen, bietet viel mehr als nur diese 2 CDs - sieben (7!) CDs voller Applikationen, Aufkleber, ausführliche Anleitungen, Support und das schöne Gefühl dem finanziell angeschlagenem Unternehmen zu helfen. Jedem ist es überlassen. Falls Sie jedoch ein Anfänger in Sachen Linux sind, empfehle ich die PowerPack Edition, da die beliegende Lektüre dem Einsteiger hilfreich zur Seite steht. Und falls das nicht reicht, genügt ein Anruf oder eine Email an Mandrake und die Probleme sind professionell und schnell gelöst.

1. Das Paket

Die Hülle des neuen Betriebsystems stellt sich recht geschmackvoll dar. Ausführliche Informationen über den Inhalt und die unterstützte Hardware sind richtig und auffallend platziert. Jedoch haben die Übersetzer, glaube ich, einige verwirrende Fehler auf der Packung hinterlassen.

1.1 Der Inhalt

Das Paket beherbergt die 2 Anleitungen, eine Liste der im Handbuch gemachten Fehler, die 7 CDs und schliesslich einen A5 grossen Zettel mit 17 Aufklebern. Auf die Anleitungen werde ich später genauer eingehen. Die Aufkleber sind positiv auffallende Gimmicks. Die CDs sind einzeln in Plastikhüllen aufbewahrt. Nach einigem Öffnen und Schliessen gehen die Nähte allerdings kaputt - also am Besten gleich zu stabileren Hüllen greifen. SuSE hat dieses Problem besser gelöst: eine aufklappbare CD Box, die mit den Ausmaßen von 2 CD-Hüllen aufwartet.

1.2 Gimmicks,

die den Käufern ein Gefühl der Vertrautheit mit dem neuen Betriebssystem vermitteln sollen. Passende Aufkleber für die "Hersteller-Logo-Vertiefung" vorn am Gehäuse sowie Aufkleber für die 5,25" Schächte. Auch für Personen, die mit ihren Briefen ausdrücken wollen "ich benutze es", finden 8 passende Aufkleber für diesen Zweck (bei Mandrake scheinen die diese Aufkleber en masse zu drucken - 7 Aufkleber waren auf dem Packet von Mandrake).

1.3 Errata und Sonstiges

Fehler sind menschlich. Verwirrende Fehler sind schlimm. Fehler wie "Alle SCSI-Speichermedien sind SCSI-Controller abhängig" sind davon noch die leichten Fälle. Schwieriger wird es bei Dingen wie "CD-ROM/DVD-ROM/CD-Brenner: Alles SCSI, IDE, PCMCIA und ....". Diese Fehler sind auf dem Paket zu finden. Im Inneren wird schon offener mit Fehlern umgegangen: man findet eine Errata. Mit vollständigen Texten und Bildern werden dem Benutzer die gemachten Fehler gestanden (in der Errata steht: "... nach Drucklegung am Produkt geändert ..."). Glücklicherweise lassen sich in der Errata keine Fehler finden
Auch Eigenwerbung lässt sich im Paket finden. Zettel wie "Wie bestelle ich mehr Mandrake-Produkte" empfinde ich eher als stöhrend, da auch auf der Hauptinformationsquelle - www.mandrake.com - für die Produkte ausgiebig geworben wird.

2. Die Anleitungen

Generell gesehen, ersetzen die von Mandrake mitgelieferten Anleitungen weiterführende Lektüre. Postitiv anzumerken ist, dass die Anleitungen in verschiedenen Formaten (Online, PDF, Zip...) in allen verfügbaren Sprachen einzusehen sind. Falls Sie einmal auf eine andere Linux (nicht-Mandrake-Distribution) umsteigen wollen, werden Ihnen diese Bücher auch weiterhelfen.

2.1 Das Installations- und Benutzerhandbuch

Um dem Benutzer einen leichten Einstieg und eine reibungslose Installation zu gewährleisten, tut Mandrake anscheinend alles. Die Installation verläuft auf beiden Systemen reibungslos Mein Vater, der noch nie von Linux gehört hatte, konnte mir MDK8.1 installieren. Trotzdem gibt Mandrake noch eine (fehlerfreie) Installationsanleitung. Schritt-für-Schritt wird klargemacht, wie sich MDK8.1 verhalten wird, wenn nun die eine oder andere Schaltfläche gewählt wird. OnScreen Hilfe, die immer ratgebend zur Seite steht, unterstützen diese Schritt-für-Schritt Anleitung zusätzlich.
In derselben Anleitung ist auch das Benutzerhandbuch. Chronologisch korrekt und ausführlich begleitet dieses Handbuch den Anfänger wie auch den Profi durch den alltäglichen Gebrauch.
Auf GNOME und KDE wird besonders eingegangen, da dies die Standardbenutzeroberflächen sind. Jedoch wird auch auf die Konsole vorbereitet. Die Texteditoren 'vi' und 'emacs' werden vertraut gemacht und die wichtigsten Befehlen (+ein paar mehr) ebenso.

2.2 Die Referenz

Dieses praktische Buch umfasst 300 Seiten (inkl. Glossar und Befehlserläuterungen). Es ist allgemeiner gehalten als das Installations- und Benutzerhandbuch und richtet sich an alle, die mehr erfahren möchten. Wie funktioniert was? Welchen Befehl kann ich benutzen? Das Problem stört - wie kann ich es beheben? Solche Fragen werden nochmals eingehend besprochen. Allgemein bekannte Fehler und Probleme werden sinnvollerweise schon im Benutzerhandbuch erläutert.
Der Glossar erweitert nicht nur das Wissen um Mandrake Linux, sondern auch das Wissen der Computerbegriffe. Begriffe wie "Grafikkarte" und "virtuelle Arbeitsfläche" fanden den Weg in den Glossar wie auch "DHCP" und "IP".
Im Appendix der Referenz stösst man auf die deutsche Übersetzung der häufig anzutreffenden GPL (Gnu Public License).

3. Das Betriebsystem

Linux ist eigentlich nur der Kern des Betriebssystems - auch Kernel genannt. Alles drumherum muss passend zusammengestellt werden. Dieser Aufgabe nehmen sich verschiedene Distributoren an. So auch SuSE, RedHat, Debian und Mandrake - um nur einige zu nennen.

3.1 Die Installation

Auf beiden Systemen verlief die Installation reibungslos. Zu Beginn der Installation wird man gefragt, ob die Installation im Normalen- oder im Expertenmodus gestartet werden soll. Wählt man den Expertenmodus, so wird man gefragt, welche Hardware im System steckt, wie der Rechner im Netzwerk heissen soll, und explizit, welche Pakete man installiert haben möchte. Diese Option ist wirklich nur zu wählen, wenn es Probleme mit der Installation gibt. Auch im Expertenmodus stehen Ihnen natürlich die Referenz und die Online-Hilfe zur Seite.
Auf SYSTEM I wurde alles erkannt - bis auf die Nicht-Plug'n'Play-Netzwerk-Karte. Dies war jedoch kein grosses Problem, da man auch die Adressen einer Netzwerkkarte manuell übergeben kann. Negativ fiel auf, dass man trotz zweier CD-Rom-Laufwerke nur eines für die Installation verwenden kann. SuSE und Slackware lösten dies besser und suchten in beiden CD-Laufwerken nach der nächsten Installations-CD. Vielleicht eine Anregung für MDK8.2.
Zusätzlich konnte nach dem Reboot nach der Installation nicht die grafische Oberfläche geladen werden. Auf der Homepage durfte ich dann lesen, dass dieses Problem an "fehlenden Modulabhängigkeiten" liege (nur NVIDIA-Chipset-Karten). Zum Glück war dort eine Anleitung, sonst hätte mein Vater die Installation wohl nicht geschafft. Solche Fehler sollten vermeidbar sein.

System II verhielt sich genauso kooperativ. Der Firewireanschluss, die Grafikkarte und alles andere auch, wurden korrekt erkannt und installiert.

3.2 Die Benutzung

Die Benutzung von Linux wurde von Mandrake stark verbessert und erweitert. So wird man bei erster Anmeldung nach seinem e-Mail Zugang gefragt. Falls man diese Daten eingibt, wird das e-Mail Programm automatisch eingestellt. Ebenso wird man nach einer Oberfläche gefragt, die am Besten gefählt. Das Handbuch gibt an dieser Stelle viele Anleitungen und Tipps zur Benutzung. Einleitungen zu den gängigsten Office-Programmen finden Sie samt Screenshots.
Positiv für Einsteiger wird das vorsortierte Startmenü sein.

Mandrake Startmenü

Das Mandrake-Kontrollzentrum erleichtert die zentrale Konfiguration des Systems ungemein.
Um Software zu installieren, benötigen Sie jetzt nur noch die zu installierende Datei. Nach einem Klick auf diese Datei wird der Benutzer nach dem Administrator-Passwort gefragt, und bei korrekter Antwort öffnet sich automatisch der Software-Installer. Dieser überprüft die Abhängigkeiten und führt die Installation automatisch durch.
Neue Hardware kann auch noch nach der Installation nach beilieben hinzugefügt und entfernt werden. Hier wurde die TV-Karte gefunden. USB-Geräte können auch während das System läuft angeschlossen werden. Die zugehörigen Module ("Treiber") werden automatisch geladen.

3.3 Vor- und Nachteile

Hier mal eine kleine Tabelle der Vor- und Nachteile von Mandrake Linux 8.1:

Vor- und Nachteile
Vorteil Nachteil
Leichte Paketinstallation dank RPMDRAKE Fehler nach der Installation mit NVIDIA Karten
Ständige Updates aus dem Internet Wine wird falsch konfiguriert installiert
Erkennung aller CD-Brenner samt Installation der Software SuperMount ist standardmässig deaktiviert - Aktivierung fast unmöglich
Viele Gimmicks, gute Handbücher
Menügeführte Einrichtung von vielen Diensten


4. Daten & Fakten

Um nicht zu systemspezifisch zu urteilen, werde ich nun ein paar Faken & Daten nennen.

Daten & Faken zu MDK8.1
Hersteller Mandrake
Produkt Linux
Version 8.1
Preis 89,- DM
CDs 7 (5 CDs Applikationen+ 2 CDs Sources)
Handbücher Installations-, Benutzerhandbuch, Referenz
geeignet für Ein/Umsteiger ja, da z.T. einfacher als Windows XP
Herausgabe Mitte 2001




4.1 Die Aktualität

Das Paket besteht aus den neusten Versionen der Software. Z.T. sind auch preview Versionen auf den CDs zu findnen. Dies spricht für die Topaktualität Mandrake's Linux.

4.2 Preis/Leistung

Schwer zu beurteilen ist die Leistung von Mandrake, da ein Distributor jediglich die Software zusammenstellt. Anzumerken ist aber, dass Mandrake weitaus mehr geleistet hat. Sie programmierten nützliche und benutzerfreundliche Applikationen, die den Ein- bzw. Umstieg erleichtern.
Aufgrund der von Mandrake investierten Arbeit in die Erleichterung der Bedienung, schneidet MDK8.1 positiv ab. Die Gimmicks, das Brennen der CDs, Übersetzen der Handbücher und das Drucken kosten ja auch Geld. Und für 89 DM bekommt man sonst noch nicht mal eine optische USB Maus.

4.3 Support

Falls mal ein Problem auftreten sollte, benötigen Sie - ggf. als Anfänger - oft Hilfe. Die Handbücher können nicht alle potenziellen Probleme abdecken. Deshalb gibt es den sog. Support. Mandrake bietet diesen auf verschiedene Weise an (Vorraussetzung: Kauf eines PowerPacks):

Mandrake Supportpakete
Name Zugang Dauer
MandrakeExpert WWW 60 Tage
Telefonische Unterstützung Telefon 30 Tage
MandrakeForum WWW Unbegr.
MandrakeCampus WWW Unbegr.


FAZIT

Mandrake hat sich wiedermal viel Mühe gemacht, die benutzerfreundlichste Distribution zu liefern. Doch dabei haben sie mehrere Fehler gemacht (siehe oben). Supermount zu deaktivieren und nachträglich zu aktivieren, schlägt auf 4 von 5 Rechnern (nachträglicher Test) fehl. Wer also entweder viel Nerven hat oder die Medien per Befehl mounten/unmounten will, ist bei dieser Distribution richtig.
Trotzdem ist die Distribution durchaus gelungen. RPMDRAKE, der Software-Manager, erleichtert die Installation von RPM-Paketen und verwaltet diese übersichtlich. WIZDRAKE, der Wizzard-für-alles, ist praktisch, wenn man die gesamte Konfigurationen in 11 simplen Schritten durchführen will. Von eMail bis Firewall ist alles dabei.
Unterm Strich kommt Mandrake 8.1 gut weg, auch wenn ich persönlich einen Einstieg mit Version 8.0 bevorzugen würde, da die 8.0 Version weniger Fehler beinhaltet. Wer allerdings auf SuperMount, das nebenbei auch ein Sicherheitsrisiko darstellt, und Wine verzichten kann - oder beides manuell installieren/einrichten will - sollte sofort in den nächsten Buchladen oder ins nächste Geschäft laufen und den Angestellten bitten, eine Mandrake 8.1 PowerPack-Distribution zu überreichen.


Wir bedanken uns bei Mandrakesoft für die Bereitstellung eines Mandrake 8.1 PowerPacks.




Anmerkungen zu diesem Artikel


[2]  Mandrake 9.1 mit LVM installieren geriom22-4-2003
[1]  Hilfe !! Mandrake vergisst Maus nach Neustart ?!?! Siemens USB Mäuseskyworm02-4-2003


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