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Artikel vom 29.12.2001
Autor: Ronny Ziegler
Languages: en
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Software-Clients für File-Sharing

Das Internet bedeutet das Ende des gedruckten Buches innerhalb der nächsten 10 Jahre!
Zumindest wollten uns das alle "Internet-Experten" vor nicht einmal fünf Jahren erzählen.
Pech gehabt, wie es scheint, trifft es die Musik- und Filmindustrie viel früher
The Real Nappster


File Sharing

Welcher Musiker träumt nicht davon, seine Songs der ganzen Welt zur Verfügung stellen zu können, und damit allen Menschen Freude und Besinnung in ihren Alltag zu bringen ?
Wie uns die Musikindustrie eindeutig aufzeigt, anscheinend kein einziger.

Geld verdienen heißt die Devise, deshalb werden populäre Programme wie Napster zur Bezahlsoftware umfunktioniert, und gegen jede weitere Tauschbörse wird gnadenlos mit rechtlichen Schritten vorgegangen. Musik-Dateien und -CDs erhalten einen Kopierschutz, der selbst vor einer Zerstörung der HiFi-Anlage nicht zurückschreckt (siehe Telepolis: Kopierschutz um jeden Preis?).

Aber einen positiven Effekt hat dieser Aufrüstwahn immer, er findet nämlich stets auf beiden Seiten statt, und während die einen an immer neuen Verschlüsselungstechnologien basteln, entwickeln die Gegenspieler immer intelligentere, delokalisierte, stabile Peer-to-Peer (P2P) Netzwerke.
Tausende von Nutzern gleichberechtigt miteinander zu verbinden und jeden Nutzer halbwegs störungsfrei mit allen anderen Klienten des gleichen Netzwerkes kommunizieren zu lassen, wäre vor einigen Jahren noch als unmöglich abgestempelt worden.

Trotzdem bietet ein Netzwerk mit zentralem Server noch immer die schnellsten Antworten auf Suchanfragen.
Die vor einiger Zeit fast im täglichen Rythmus erfolgten Abschaltungen des Napster-Servers aufgrund gerichtlicher Weisungen und die schon wenige Stunden später folgenden "Einstweiligen Verfügungen", die ein Weiterlaufen des Services erlaubten, schafften es gar in die lokalen Radio-Nachrichten und selbst die Tagesschau erwähnte Napster mehrmals. Erst dieses breite Medieninteresse machte die Tauschbörse der breiten Bevölkerung bekannt und sorgte für einen nie dagewesenen Boom, der die Napster-Server mehrmals überlastete.

Gleichzeitig zeigte dies aber auch die große Schwäche dieses Netzwerkes, das vollständig von den in Amerika stehenden Servern abhängig war. Jedes Abschalten legte die Tauschbörse unweigerlich lahm. Die nächste Generation von Tauschbörsen bestizt daher nicht mehr nur einen einzigen zentralen Serverpark, sondern stellt neben den zu benutzenden Clients auch gleich einen frei benutzbaren Server zur Verfügung. Die einzelnen Server laufen häufig auf Privatrechnern und meistens nicht länger als einen Tag, bevor sie ihre IP wechseln. Die Clients hingegen springen von Server zu Server und suchen währenddessen nach den gewünschten Dateien. Jeder Client hinterläßt dabei auf den einzelnen Servern eine Adressliste aller anderen ihm bekannter Server, so dass auch später kommende Clients diese Liste vorfinden und ihre eigene Adressensammlung erweitern können.
KaaZaA, Morpheus und Grokster sind noch die letzten verbliebenen Vertreter der alten Napster-Philosophie und deshalb auch bereits in die Fänge der RIAA geraten.
Zwar benutzt dieses Netzwerk auch eine Peer-2-Peer Technik mit Nodes (Clients) und SuperNodes (zum Server umfunktionierte Clients), jedoch verhindert die strenge Geheimhaltung des Protokolls die Entwicklung freier Clients (siehe giFT) so daß auf Druck der RIAA problemlos alle Clients mit einem Filter ausgerüstet werden können. Vorkehrung für derartige Schritte wurden bereits in alle verbreiteten Clients integriert.

Im Folgenden sollen deshalb hauptsächlich die Alternativen der zu diesen unter Windows sehr verbreiteten Tauschbörsen gegeben werden, soweit sie einen Linux-Client besitzen. Auf den Einsatz und die Installation der zugehörigen Server (falls vorhanden), wird in einem weiteren Artikel genauer eingegangen.

OpenNap

Schnell wurde das Protokoll von Napster von findigen Programmieren aufgebohrt und ein eigener Server, der kompatibel ist, entwickelt. Das ganze Projekt läuft unter dem Namen OpenNap und ist mittlerweile aus der Natur der Sache populärer als der klassische Napster-Server.
Lopster-Screenshot Eine Unzahl an Clients für dieses Protokoll existieren, die alle ihre eigenen Vorzüge besitzen. Sehr populär ist Lopster, ein GTK-Programm, welches sich mittlerweile durch seine hohe Stabilität und Funktionsumfang auszeichnet.
So können für jeden einzelnen User, der Dateien hoch- oder herunterladen möchte, einzelnd Übertragungsrate, maximale gleichzeitige Transfers etc. eingestellt werden. Echtzeitstatistiken und automatisierbare Suchanfragen runden das gelungene Programm ab. Allerdings kostet dieser Komfort viel Rechenzeit, so dass das Programm auf langsamen Rechnern (Pentium I und älter) bereits einen Großteil der Rechenleistung beansprucht. Da die Entwicklung von Lopster immer schneller vonstatten geht, ist es empfehlenswert, statt des vorgefertigten tar.gz-Paketes stets die aktuelle CVS-Variante zu benutzen.
KDE-Benutzer bevorzugen möglicherweise KNapster, während für Gnome-Benutzer auch Gnapster zu empfehlen ist.
Viele Konsolen-Fanatiker benutzen stattdessen TekNap, der zwar umfangreich zu bedienen ist, aber auch entsprechend lange Einarbeitung erfordert.

Links:
OpenNapopennap.sourceforge.net
Lopsterlopster.sourceforge.net
Knapsterknapster.sourceforge.net
Gnapsterwww.faradic.net/~jasta/gnapster.html
TekNapwww.teknap.com

eDonkey2000

Das eDonkey-Netzwerk wird hauptsächlich zum Tauschen von Filmen benutzt. Da es Funktionen wie simultanen Download einer Datei bietet und auch den Download von Clients unterstützt, die selbst noch nicht im Besitz der vollständigen Datei sind, ist es ideal zum Teilen von großen Dateien geeignet. Außerdem können neue Dateien sehr schnell im eDonkey-Netz verbreitet werden, ohne dass die Last auf einzelne Personen beschränkt bleibt.
Der Linux-Client dieses Netzwerkes ist bisher erst als Konsolen-Variante erhältlich, was sich wahrscheinlich in nächster Zeit auch nicht ändern wird. Es gibt aber mittlerweile grafische Frontends, die jedoch unabhängig vom eigentlichen Client entwickelt werden.
Trotzdem bietet der Einsatz der Konsolen-Variante in Verbindung mit dem Unix-Tool "screen", welches standardmäßig auf den meisten Systemen installiert sein sollte, eine unglaubliche Flexibilität.
Screen ist eine Art WindowManager für die Konsole, die es erlaubt, Shell-Sitzungen zu starten, im Hintergrund laufen zu lassen und bei Bedarf an verlassener Stelle weiterzuarbeiten. Startet man nun mittels Screen eine neue Sitzung und innerhalb dieser Sitzung den eDonkey-Client, kann man mittels der Tastenkombination "Strg A" und "Strg D" die Screen-Sitzung in den Hintergrund versetzen und jederzeit mittels "screen -r" (notfalls mit PID-Nummer) wieder in den Vordergrund holen.
Der Client kann so unbeaufsichtigt tagelang laufen und die einzelnen Donkey-Server absuchen.
Die Bentuzung des Konsolen-Clients gestaltet sich anfangs etwas ungewohnt, nach einer Eingewöhnungsphase aber durchaus akzeptabel. Problematischer ist viel eher das Finden eines eDonkey-Servers im Netz. Zwar befindet sich auf der Homepage von eDonkey eine Liste bekannter Server, jedoch ist diese zumeist veraltet.
Hat man erstmal eine Verbindung zu einem Server zustande gebracht, wird automatisch eine Liste weiterer Server heruntergeladen (zu sehen mittels "vm"). Von nun an sollte das Auffinden anderer Server kein Problem mehr darstellen, und man kann mit "auto +" ein automatisches Verbinden mit anderen Servern einstellen. Hilfe zu den Konsolen-Kommandos liefert die Eingabe eines "?".

Links:
eDonkey2000www.edonkey2000.com
Screenwww.math.fu-berlin.de/~guckes/screen/

Gnutella

Das Gnutella-Netzwerk ist ein reines P2P-Netz, ohne jeglichen Server und daher von niemandem kontrollierbar. Jeder Rechner bildet eine GTK-Gnutella Screenshot sog. Node im Gnutella-Netzwerk. Suchanfragen werden von Inode zu Inode weitergegeben und bei Treffern die Antwort an den Fragesteller zurückgeschickt. Die folgenden Dateitransfers finden direkt zwischen den beiden Rechnern statt.

Das Gnutella-Netzwerk war eine zeitlang stark überlastet und hatte (wie viele der anderen Netzwerke auch) damit zu kämpfen, dass die meisten Benutzer nur am Herunterladen, nicht aber am Teilen eigener Dateien interessiert waren. Dadurch wurde die Netzwerklast für einige wenige User untragbar hoch, so dass kaum vernünftige Transferraten erreicht werden konnten.
Durch die hohe Popularität anderer Netzwerke und ein Redesign des Gnutella-Protokolls hat sich dieses Problem mittlerweile gebessert. Zwar gelingt ein Tausch größerer Dateien mittels Gnutella immer noch recht selten, kleine MP3-Dateien können hingegen zumeist erfolgreich übertragen werden.
Ein guter Linux-Client ist GTK-Gnutella, der ähnlich seinem Windwos-Pendant aufgebaut ist.
Sehr weit verbreitet ist auch der Java-Client Lime Wire, der einen äußerst komfortabel im Gnutella-Netzwerk navigieren lässt.

Aber es gibt noch eine Fülle weiterer Client-Programme für Linux, die hier nicht alle genannt werden können. Eine gute Übersicht bietet die Seite: http://www.gnutelliums.com/linux_unix/.

Links:
GTK-Gnutellagtk-gnutella.sourceforge.net/
Lime Wirewww.limewire.com/
Client-Übersichthttp://www.gnutelliums.com/linux_unix/

Audiogalaxy

Audiogalaxy ist ein gänzlich anders aufgebautes Tausch-Netzwerk, das besonders durch seine webbasierte Bedienung auffällt. Das Netzwerk besteht aus einem zentralen Server, bei dem jeder registrierte Nutzer mit seinem Web-Browser die gewünschten Dateien suchen und zum Download aktivieren kann.
Gleichzeitig (oder auch zu jedem beliebigen anderen Zeitpunkt) startet man zuhause seinen sog. Satelliten, der eine Verbindung zwischen eigenem PC und Server zur Verfügung stellt.
Sollte nun irgendwo auf der Welt ein Bentuzer mit einer der gesuchten Dateien eine Verbindung zum Audiogalaxy-Server herstellen, erkennt der Server dies, und stellt die Kommunikation zwischen den beiden Satelliten her.
Dieses Prinzip bietet eine Reihe von Vorteilen: Man kann auf diese Weise auch sehr selten vorhandene Dateien erhalten, denn der Server merkt sich alle Dateien, die ein User irgendwann mal freigegeben hatte, auch wenn die zugehörige Person nicht mehr eingeloggt sein sollte.
Seinen eigenen Satelliten läßt man nun aktiviert, und wartet ab, bis die zur gesuchten Datei gehörige Person sich im Audiogalaxy-Netzwerk wieder einloggt.

Außerdem kann man seinen Satelliten auf einem beliebigen Rechner laufen lassen, während man von irgendeinem Web-Browser aus einen Song, der einem evtl. gerade einfällt sucht und für einen Download markiert. Der Satellit muß dafür nämlich noch nicht einmal aktiviert sein.

Allerdings sind nicht alle Titel mittels Audiogalaxy tauschbar, da der Server umfangreiche Filter aktiviert hat, die ein Tauschen bestimmter Dateien verbieten. Wonach diese Filterregeln aufgestellt werden, bleibt allerdings ein Geheimnis der Server-Administratoren, die bisher auf keinerlei diesbezüglicher Mails reagiert haben.

So blieben eine Reihe von Anfragen verschiedenster Autoren unbeantwortet, die darum gebeten hatten, ihre Songs in die Filter mit aufzunehmen. Hingegen gibt es auch eine Reihe von Fällen, wo Anfragen freier Song-Autoren, die gar nicht möchten, dass ihre Lieder gesperrt werden, ungehört blieben (siehe auch Audiogalaxy-Forum).

Da der Satellit nur die Kommunikation zum Server herstellen muss, während die Suchanfragen per Web-Frontend erfolgen, ist der Client folglich rein Konsolen-basierend.
Die Konfiguration hingegen ist eher untypisch, so muss nach dem Download der Software von der Audiogalaxy Seite das Programm entpackt werden, und im erstellten Verzeichnis zwei Dateien account.txt und shares.txt angelegt werden. In die Datei account.txt wird in die erste Spalte die e-Mail-Adresse eingetragen, mit der man sich bei Audiogalaxy registriert hat, in die zweite Zeile wird das zugehörige Passwort eingetragen.
In die Datei shares.txt wird das Verzeichnis hineingeschrieben, in welchem die Dateien nach einem Download abgelegt werden sollen. Dieses Verzeichnis wird automatisch zusätzlich für Uploads freigegeben. Sollte diese Verzeichnis nicht existieren, kann das Programm nicht ordnungsgemäß starten.
Während des Verbindungsaufbaus wird eine Log-Datei angelegt "logv***.txt, die bei Problemen weitere Hinweise geben kann.

Links:
Audiogalaxywww.audiogalaxy.com

Generic Interface to FastTrack: giFT

GTK-Gnutella Screenshot Die unter Windows so beliebten Programme Morpheus und Kazaa basieren beide auf dem FastTrack Netzwerk. Linux-Versionen dieser Programme sind trotz vereinzelter Ankündigungen lange Zeit nicht erschienen (mittlerweile existiert ein Kazaa-Client für Linux). Also haben sich eine Reihe von Programmierern mittels "Reverse-Engineering" die Aufgabe gesetzt, die Kommunikation dieses FastTrack-Netzwerkes zu entschlüsseln und einen Open-Source-Client zur Verfügung zu stellen. Das ganze nennt sich giFT und steht für Generic Interface to FastTrack.
Da die Windows-Clients Morpheus und Kazaa sich über Werbebanner innerhalb der Software finanzieren, während das giFT-Projekt zwar deren Server-Resourcen benutzt, aber keine Werbeeinnahmen bringt, wurde mehrfach versucht, die Open-Source-Variante durch Protokolländerungen (die offiziell Sicherheitsupdates genannt wurden) am Zugang zum FastTrack-Netzwerk zu hindern; bisher ohne langanhaltenden Erfolg.

Die Software basiert auf zwei Teilen, von denen der eine die Kommunikation mit dem FastTrack-Netzwerk herstellt, während der darauf aufsetzende eigentliche Client die Suchanfragen an das Netzwerk übermittelt.
Bisher existieren als Client eine CGI-Variante, die mittels Web-Oberfläche gesteuert wird und ein Java-Applet.
Die Bedienerfreundlichkeit läßt noch sehr zu wünschen übrig, außerdem bleibt es fraglich, ob sich der Arbeitsaufwand, den die Open-Source-Entwickler tätigen, überhaupt lohnt. Denn bereits jetzt ist das FastTrack-Netzwerk ein Dorn im Auge der RIAA, und es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis in diesem Netzwerk erste Filter eingebaut werden.

Links:
giFThttp://sourceforge.net/projects/gift




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