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Artikel vom 22.12.2000
Autor: Kristian Rink
Languages: en nl
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Distributionen - Debian 2.2

Debian Logo Debian ist nicht bunt, Debian ist nicht enorm aktuell, Debian ist nicht "trendy" oder "hype" oder was auch immer, Debian ist nicht an der Börse, sondern auf dem Computer.


Debian GNU/Linux 2.2

[Debian]

Unter dem Namen 'potato' geht mittlerweile nach über 18 Monaten Entwicklungszeit die Version 2.2 des einzigen ausschließlich auf GPL-lizenzierter Software basierten und nicht von einer wie auch immer gearteten Firma ins Rennen. Stattdessen wird Debian von einer weltweiten Entwicklergemeinde zusammengestellt, um den bisher erarbeiteten Ruf ein weiteres Mal zu verteidigen, offensichtlich nach dem Motto "höher, schneller, weiter". Mehr beteiligte Entwickler, mehr integrierte Software-Pakete, und noch ausgefeiltere Mechanismen, die, im System eingebunden, die Konfiguration und Steuerung der installierten Distribution meisterlich bewältigen. Andererseits eilt Debian GNU/Linux auch der Ruf voraus, in Installation und Konfiguration ganz besondere Anforderungen an den Nutzer zu stellen und definitiv einsteigerfeindlich zu sein.

Installation

ASCII, wo auch immer man hinschaut: Auch anno 2000 führt der Weg, den der zukünftige Debianer zu gehen hat, über eine vollständig textbasierte Installationsroutine, die sich auf den ersten Blick kaum von der des Vorgängers slink unterscheidet. Beim Durchlaufen der verschiedenen Etappen bietet es aber eine ganze Reihe von Detailverbesserungen, welche die Installation des Debian-Systems noch etwas angenehmer und einfacher gestalten.
Die Debian-Installation unterscheidet sich deutlich von der anderer Distributionen in der Art, daß grundsätzlich zweistufig gearbeitet wird: Zunächst (nach dem Booten des Installationssystems von CD-ROM oder Diskette) wird im ersten Schritt ein Basis-System konfiguriert, wobei unter anderem die Festplattenpartitionierung, Zeitzone und Tastatur konfiguriert, Gerätetreiber-Module in den Kernel geladen, das LAN (falls der Treiber für eine Netzwerkkarte geladen wurde) konfiguriert und der LILO-Bootloader installiert werden. In diesem ersten Schritt werden der Kernel und ein grundlegendes Basis-System auf die konfigurierte(n) Partition(en) kopiert, welches dann gebootet wird, um den zweiten Schritt der Installation durchzuführen und die Platte mit Programmen zu füllen. Wer sich zum ersten Mal mit Debian befaßt, dürfte während dieses ersten Schrittes zunächst irritiert sein von einem Umstand, den man bei wenigen Distributionen in dieser Form kennt: Die Schrittfolge der bei der Installation auszuführenden Arbeiten ist weitestgehend frei und läßt dem erfahrenen Debian-User fast jede erdenkliche Freiheit bei der Einrichtung des Systems: Unter "Next:" wird der jeweils empfohlene nächste Schritt gezeigt, darüberhinaus kann aus einer Liste aller verfügbaren Konfigurationsschritte ausgewählt und eingerichtet werden.

Nach dem Booten der begonnenen Installation, dem Setzen eines Root-Paßwortes und dem eventuellen Erstellen eines Nutzer-Accounts beginnt dann eine mehr oder weniger lange Wartezeit, bis der Installer die gewählten Programme auf die Platte kopiert hat. Hier wird zum ersten Mal eine gravierende Änderung im Vergleich zur Vorgängerversion deutlich:
Diesmal basiert die gesamte Paketkonfiguration auf dem apt-Tool und kommt deutlich besser mit Distributionen vom Umfang mehrerer CDs (der potato-Pack von Lehmanns etwa umfaßt vier CDs...) oder mit Installation aus verschiedenen Medien (NFS, CD-ROM, FTP...) klar. Zudem sind für die Pakete sogenannte Tasks eingeführt worden, die eine einfachere Installation thematisch zusammengehörigerer Software-Pakete (GNOME, KDE ...) ermöglichen. Die Pre-Konfiguration der Pakete, die im Rahmen der Installation eine zweistufige Konfiguration realisiert und damit die Häufigkeit von Momenten, in denen Programme nicht konfiguriert werden können, weil abhängige Pakete noch nicht konfiguriert wurden, auf ein Minimum zu reduzieren, ist eine weitere angenehme Neuerung in der Installation. Lediglich das X-Setup-Tool anXious mag nicht so recht zu begeistern, die Konfiguration bricht bereits bei der Erkennung der (verwendeten TNT2-) Grafikkarte ab, und X muß manuell nachkonfiguriert werden. Doch von diesem kleinen Fehler abgesehen, steht dann nach einem zeitaufwendigen Kopiervorgang ein lauffähiges Debian GNU/Linux zur Verfügung, welches sich im Hinblick auf Stabilität und Verläßlichkeit hoffentlich genauso bewährt wie der Vorgänger.

Konfiguration

Viele der einzuspielenden Pakete erwarten bereits im Rahmen der Installation Angaben des Nutzers hinsichtlich der zu verwendenden Konfiguration. Für weitergehende Konfiguration kann der Benutzer auf eine Reihe von Debian-Tools (gpmconfig, pppconfig, kbdconfig, anXious, liloconfig ...) zurückgreifen, selbst Hand an die Konfigurationsdateien legen oder programmspezifische Tools a la XF86Setup zum Einsatz zu bringen. Bei letzterem ist allerdings Vorsicht geboten (etwa bei Modifikationen an der /etc/modules.conf), um zu vermeiden, daß die Debian-eigenen Konfigurationsmechanismen die selbst eingearbeiteten Änderungen 'behebt'.

Ausstattung

Etwa 4000 Softwarepakete warten dann, wenn das System erst einmal läuft, auf ihren Einsatz durch den interessierten Nutzer, mehr als jemals zuvor in einer Debian-Distribution. Ein gepatchter Kernel 2.2.16, glibc 2.1.3, gcc 2.95.2, Perl 5.005.03, XFree86 3.3.6, Gnome 1.0.56 und PAM 0.72 - nur einige der Eckdaten eines perfekt aufeinander abgestimmten, sauber konfigurierten und über einen enorm langen Zeitraum getesteten Linux-Systems, welches darüber hinaus auf den vier Binary-CDs Software für alle Lebenslagen von Serverdiensten bis hin zu Workstation-Applikationen enthält, komplett der GPL unterliegt und dank des ausgefeilten Paket-Managements auch in der Lage ist, diese Vielfalt an Programmen konfliktfrei zu warten und zu verwalten. Bemerkenswert bleibt auch die Einfachheit, mit der es im Debian möglich ist, mittels des "apt" - Pakettools etwa Kernpakete oder die gesamte Distribution zu aktualisieren; auf einem 486er-Einwahl- und wwwoffle-Server etwa ging hier das Update von Debian 2.1 auf 2.2 über das Netzwerk vonstatten, ohne Neustart oder Abbruch der Netzverbindung oder Downtime / Nicht-Verfügbarkeit des Servers (wenngleich besagter Rechner auch über den Zeitraum der Installation hinweg reichlich langsam auf Anfragen reagierte). In solchen technischen Fragen zeigt sich wieder die Klasse von Debian.

Fazit

Debian ist nicht bunt, Debian ist nicht enorm aktuell, Debian ist nicht "trendy" oder "hype" oder was auch immer, Debian ist nicht an der Börse, sondern auf dem Computer. Zweifelsohne gibt es Distributionen, die aktuellere Software bieten, die mittlerweile von großen Computer-Companies unterstützt werden oder deren Hersteller die GPL / Free-Software - Idee durch Einarbeitung von nicht-GPL-Software in die verkauften Pakete sabotieren. Doch selbst der Börsengang und offensichtlich damit einhergehende Akzeptanz von RedHat Linux auf dem "großen" Markt kann nichts daran ändern, daß Debian auf technischer Strecke nach wie vor ungeschlagen ist. Sicherheitsrelevante Bugs werden innerhalb kürzester Zeit auf der Debian-Site bekanntgemacht und mit entsprechenden Fixes und Updates versehen; auf der von tausenden von Nutzern und einer Vielzahl von Entwicklern gelesenen Mailingliste gibt's jederzeit kompetente und freundliche Hilfe zu Problemen rund um (Debian) GNU/Linux, und mittlerweile existiert auch ein deutschsprachiges Handbuch für Debian, in dem Autor Frank Ronneburg in kompetenter und anschaulicher Weise dem Einsteiger den Weg zum Debian-Experten ebnet. Besser geht's eigentlich kaum noch...

Homepage: www.debian.org




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