Distributionen - Debian 2.2
Debian ist nicht bunt, Debian ist nicht enorm aktuell, Debian ist nicht
"trendy" oder "hype" oder was auch immer, Debian ist nicht an der
Börse, sondern auf dem Computer.
Debian GNU/Linux 2.2
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Unter dem Namen 'potato' geht mittlerweile nach über 18 Monaten Entwicklungszeit die Version 2.2 des einzigen ausschließlich auf GPL-lizenzierter Software basierten und nicht von einer wie auch immer gearteten Firma ins Rennen. Stattdessen wird Debian von einer weltweiten Entwicklergemeinde zusammengestellt, um den bisher erarbeiteten Ruf ein weiteres Mal zu verteidigen, offensichtlich nach dem Motto "höher, schneller, weiter". Mehr beteiligte Entwickler, mehr integrierte Software-Pakete, und noch ausgefeiltere Mechanismen, die, im System eingebunden, die Konfiguration und Steuerung der installierten Distribution meisterlich bewältigen. Andererseits eilt Debian GNU/Linux auch der Ruf voraus, in Installation und Konfiguration ganz besondere Anforderungen an den Nutzer zu stellen und definitiv einsteigerfeindlich zu sein.
Installation
ASCII, wo auch immer man hinschaut: Auch anno 2000 führt der Weg, den
der zukünftige Debianer zu gehen hat, über eine vollständig
textbasierte Installationsroutine, die sich auf den ersten Blick kaum
von der des Vorgängers slink unterscheidet. Beim Durchlaufen der
verschiedenen Etappen bietet es aber eine ganze Reihe von
Detailverbesserungen, welche die Installation des Debian-Systems
noch etwas angenehmer und einfacher gestalten.
Die Debian-Installation unterscheidet sich deutlich von der anderer
Distributionen in der Art, daß grundsätzlich zweistufig gearbeitet
wird: Zunächst (nach dem Booten des Installationssystems von CD-ROM
oder Diskette) wird im ersten Schritt ein Basis-System konfiguriert,
wobei unter anderem die Festplattenpartitionierung, Zeitzone und
Tastatur konfiguriert, Gerätetreiber-Module in den Kernel geladen,
das LAN (falls der Treiber für eine Netzwerkkarte geladen wurde)
konfiguriert und der LILO-Bootloader installiert werden. In diesem
ersten Schritt werden der Kernel und ein grundlegendes Basis-System auf
die konfigurierte(n) Partition(en) kopiert, welches dann gebootet wird,
um den zweiten Schritt der Installation durchzuführen und die Platte
mit Programmen zu füllen. Wer sich zum ersten Mal mit Debian befaßt,
dürfte während dieses ersten Schrittes zunächst irritiert sein von
einem Umstand, den man bei wenigen Distributionen in dieser Form kennt:
Die Schrittfolge der bei der Installation auszuführenden Arbeiten ist
weitestgehend frei und läßt dem erfahrenen Debian-User fast jede
erdenkliche Freiheit bei der Einrichtung des Systems: Unter "Next:"
wird der jeweils empfohlene nächste Schritt gezeigt, darüberhinaus kann
aus einer Liste aller verfügbaren Konfigurationsschritte ausgewählt und
eingerichtet werden.
Nach dem Booten der begonnenen Installation, dem Setzen eines
Root-Paßwortes und dem eventuellen Erstellen eines Nutzer-Accounts
beginnt dann eine mehr oder weniger lange Wartezeit, bis der Installer
die gewählten Programme auf die Platte kopiert hat. Hier wird zum
ersten Mal eine gravierende Änderung im Vergleich zur Vorgängerversion
deutlich:
Diesmal basiert die gesamte Paketkonfiguration auf dem apt-Tool
und kommt deutlich besser mit Distributionen vom Umfang mehrerer
CDs (der potato-Pack von Lehmanns etwa umfaßt vier CDs...) oder mit
Installation aus verschiedenen Medien (NFS, CD-ROM, FTP...) klar. Zudem
sind für die Pakete sogenannte Tasks eingeführt worden, die eine
einfachere Installation thematisch zusammengehörigerer Software-Pakete
(GNOME, KDE ...) ermöglichen. Die Pre-Konfiguration der Pakete, die im
Rahmen der Installation eine zweistufige Konfiguration realisiert und
damit die Häufigkeit von Momenten, in denen Programme nicht
konfiguriert werden können, weil abhängige Pakete noch nicht
konfiguriert wurden, auf ein Minimum zu reduzieren, ist eine weitere
angenehme Neuerung in der Installation. Lediglich das X-Setup-Tool
anXious mag nicht so recht zu begeistern, die Konfiguration bricht
bereits bei der Erkennung der (verwendeten TNT2-) Grafikkarte ab, und X
muß manuell nachkonfiguriert werden. Doch von diesem kleinen Fehler
abgesehen, steht dann nach einem zeitaufwendigen Kopiervorgang ein
lauffähiges Debian GNU/Linux zur Verfügung, welches sich im Hinblick
auf Stabilität und Verläßlichkeit hoffentlich genauso bewährt wie der
Vorgänger.
Konfiguration
Viele der einzuspielenden Pakete erwarten bereits im Rahmen der Installation Angaben des Nutzers hinsichtlich der zu verwendenden Konfiguration. Für weitergehende Konfiguration kann der Benutzer auf eine Reihe von Debian-Tools (gpmconfig, pppconfig, kbdconfig, anXious, liloconfig ...) zurückgreifen, selbst Hand an die Konfigurationsdateien legen oder programmspezifische Tools a la XF86Setup zum Einsatz zu bringen. Bei letzterem ist allerdings Vorsicht geboten (etwa bei Modifikationen an der /etc/modules.conf), um zu vermeiden, daß die Debian-eigenen Konfigurationsmechanismen die selbst eingearbeiteten Änderungen 'behebt'.
Ausstattung
Etwa 4000 Softwarepakete warten dann, wenn das System erst einmal läuft, auf ihren Einsatz durch den interessierten Nutzer, mehr als jemals zuvor in einer Debian-Distribution. Ein gepatchter Kernel 2.2.16, glibc 2.1.3, gcc 2.95.2, Perl 5.005.03, XFree86 3.3.6, Gnome 1.0.56 und PAM 0.72 - nur einige der Eckdaten eines perfekt aufeinander abgestimmten, sauber konfigurierten und über einen enorm langen Zeitraum getesteten Linux-Systems, welches darüber hinaus auf den vier Binary-CDs Software für alle Lebenslagen von Serverdiensten bis hin zu Workstation-Applikationen enthält, komplett der GPL unterliegt und dank des ausgefeilten Paket-Managements auch in der Lage ist, diese Vielfalt an Programmen konfliktfrei zu warten und zu verwalten. Bemerkenswert bleibt auch die Einfachheit, mit der es im Debian möglich ist, mittels des "apt" - Pakettools etwa Kernpakete oder die gesamte Distribution zu aktualisieren; auf einem 486er-Einwahl- und wwwoffle-Server etwa ging hier das Update von Debian 2.1 auf 2.2 über das Netzwerk vonstatten, ohne Neustart oder Abbruch der Netzverbindung oder Downtime / Nicht-Verfügbarkeit des Servers (wenngleich besagter Rechner auch über den Zeitraum der Installation hinweg reichlich langsam auf Anfragen reagierte). In solchen technischen Fragen zeigt sich wieder die Klasse von Debian.
Fazit
Debian ist nicht bunt, Debian ist nicht enorm aktuell, Debian ist nicht "trendy" oder "hype" oder was auch immer, Debian ist nicht an der Börse, sondern auf dem Computer. Zweifelsohne gibt es Distributionen, die aktuellere Software bieten, die mittlerweile von großen Computer-Companies unterstützt werden oder deren Hersteller die GPL / Free-Software - Idee durch Einarbeitung von nicht-GPL-Software in die verkauften Pakete sabotieren. Doch selbst der Börsengang und offensichtlich damit einhergehende Akzeptanz von RedHat Linux auf dem "großen" Markt kann nichts daran ändern, daß Debian auf technischer Strecke nach wie vor ungeschlagen ist. Sicherheitsrelevante Bugs werden innerhalb kürzester Zeit auf der Debian-Site bekanntgemacht und mit entsprechenden Fixes und Updates versehen; auf der von tausenden von Nutzern und einer Vielzahl von Entwicklern gelesenen Mailingliste gibt's jederzeit kompetente und freundliche Hilfe zu Problemen rund um (Debian) GNU/Linux, und mittlerweile existiert auch ein deutschsprachiges Handbuch für Debian, in dem Autor Frank Ronneburg in kompetenter und anschaulicher Weise dem Einsteiger den Weg zum Debian-Experten ebnet. Besser geht's eigentlich kaum noch...
Homepage: www.debian.org
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