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Artikel vom 25.5.2000
Autor: Ronny Ziegler
Languages: en nl
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Fernsehen unter Linux

Fernsehen unter Linux Wenn man im Besitz einer TV-Karte ist, kann man auch unter Linux in den Genuß dieser Hardware kommen.
Die richtige Konfiguration, Hardware und Software natürlich vorausgesetzt.

Linux vs. Windows

TV-Karten werden immer beliebter. Statt einen Fernseher mit Internetfähigkeiten auszurüsten, wie es immer mehr TV-Hersteller probieren, ist es viel sinnvoller, seinen PC mit einer Fernsehkarte zu beglücken.
Schon seit längerer Zeit werden ein Teil dieser Karten, bei denen zumeist nur Windows-Treiber beiliegen, auch von Linux unterstützt.
Die bttv-Treiber des Video4Linux Projekts sind Hauptarbeitsfeld des bekannten Kernel-Programmierers Alan Cox.
Viel hat sich in den letzten Monaten in der Treiber-Unterstützung getan, besonders die Stabilität hat stark zugenommen.
Weil unter Windows die firmeneigenen Programmierer es anscheinend nicht schaffen, eine stabile Version ihrer eigenen Software zu bieten, hängt sich Windows mit Regelmäßigkeit gleich mit auf, wenn die TV-Software mal wieder abstürzt.
Im Vergleich dazu ist die Linux-Software geradezu phänomenal stabil. Natürlich gibt es auch hier Abstürze, aber nur in den wenigsten Fällen ist ein Reboot fällig, denn häufig reicht ein Neustarten der TV-Software.
Leider kann es tatsächlich passieren, daß bei der Benutztung einer TV-Karte der X-Server seine Mitarbeit einstellt, und ein Reboot unausweichlich ist. Mit jeder neu erscheinenden Kernel-Version nimmt die Stabilität aber kontinuierlich zu.

Die Hardware

Die Liste der unterstützen Karten wächst ständig. Am besten und umfangreichsten werden alle Karten mit Bt848/Bt848a/Bt849/Bt878/Bt879 und normalen Composite/S-VHS Eingang unterstützt.
Darunter fällt auch die in Deutschland so beliebte Hauppauge Win/TV PCI-Karte.

Ein kleiner Auszug aus der Liste der unterstützten Karten:

  • Hauppauge Win/TV pci
  • MATRIX Vision
  • Miro/Pinnacle PCTV
  • AverMedia
  • ADS Channel Surfer
  • Maxi TV Video PCI 2 card
Eine umfangreiche Liste befindet sich unter http://www.multimedia4linux.de/videohardware.html

neuer Kernel ist Pflicht

Will man seine TV-Karte unter Linux ansprechen, benötigt man die entsprechende Unterstützung im Kernel.
Nur in den wenigsten Linux-Distributionen sind die benötigten Treiber schon im Standard-Kernel.
So abschreckend es für viele auch sein mag, aber ums Kompilieren eines neuen Kernels führt kein Weg vorbei.

Die Treiber im Kernel sollten auf alle Fälle als Modul kompiliert werden, schon alleine wegen der Größe, die Video4Linux benötigt.
Zum Testen, ob die TV-Karte auch richtig angesprochen wird, kann man auch anfangs die Treiber ersteinmal fest hineinkompilieren, um dann beim Booten anhand der Meldung abzulesen, ob die Karte richtig erkannt wurde.
Falls ja, sollte der Kernel erneut, dann aber mit den Treibern als Modul installiert werden.

Die benötigten Einstellungen in der Rubrik "Video for Linux" sind :

  • Modulunterstützung für "Video For Linux"
    Vide4Linux als Modul
  • Treiber für eine Karte mit Bt848-Chipsatz (z.B. für Hauppauge-Karte)
    Bt848 als Modul
  • Treiber für Videotextunterstützung (z.B. für Hauppauge-Karte)
    Videotext als Modul
Nachdem man nun den Kernel kompiliert und installiert hat, benötigt man noch einen Eintrag in der Datei /etc/conf.modules, damit die Module auch automatisch geladen werden:

Datei /etc/conf.modules
  alias char-major-81 bttv 
  pre-install bttv /sbin/insmod videodev
  pre-install bttv /sbin/insmod i2c
  pre-install bttv /sbin/insmod tuner
  


Trotz dieser Einträge kommt es bei einigen TV-Programmen immer wieder zu Problemen beim automatischen Laden der Module. Falls der Fensterinhalt der TV-Software schwarz bleiben sollte (nicht blau, denn dann sind meistens die falschen Treiber im Kernel!), ist es nötig, die Treiber nochmal nachzuladen. Am schnellsten geschieht das mit einem kleinen Skript:

Videomodule nachladen
   #!/bin/sh
   /sbin/rmmod i2c
   /sbin/rmmod tuner
   /sbin/rmmod bttv
   /sbin/rmmod videodev
   /sbin/insmod i2c
   /sbin/insmod tuner
   /sbin/insmod videodev
   /sbin/insmod bttv
  


Nachdem nun alle Voraussetzungen geschaffen worden sind, um Fernsehen zu können, widmen wir uns nun der notwendigen Software, um die Fähigkeiten der Karte auszunutzen.

kWinTV

Die komfortabelste Software, um unter Linux Fernsehen schauen zu können, ist kWinTV.

Screenshot von kWinTV

Das KDE-Programm bietet eine komfortable Konfiguration, eine automatische Kanalsuche und einen einfach zu handhabenden Kanal-Browser.
Neben der Fähigkeit, Screenshots vom momentanen TV-Bild zu nehmen, kann man auch einen ganzen Videoclip im AVI-Format abspeichern. Eine schnelle und große Festplatte ist dafür allerdings Voraussetzung.
Der Algorithmus zur AVI-Aufnahme ist nicht so effektiv, wie von einigen ähnlichen textbasierenden Tools (z.B. bttv-grab), so daß bei langsamen Rechnern viele Frames verloren gehen und das Video häufig Querstreifen besitzt.
Trotzdem ist kWinTVs Fähigkeit, AVIs aufzunehmen, beeindruckend, denn selbst Windows-Programme bieten bei der AVI-Aufnahme zumeist eine schlechtere Frame-Rate.

Bei einigen X-Servern kann es zu Problemen mit der Darstellung kommen. Dies zeigt sich dahingehend, daß Reste des TV-Bildes noch auf anderen Programmfenstern zu sehen sind und nicht mehr verschwinden wollen (Screenshot). Bei solchen Problemen sollten Sie den X-Server mit der zusätzlichen Option "-bs" starten.

Kwintv hat unter Gnome Probleme mit dem "SaveYourSelf-Kommando".
Das Programm kWinTV erhält man unter: http://www.mathematik.uni-kl.de/%7Ewenk/kwintv/index.html

Gnomovision

Gnomovision ist das offizielle TV-Programm von Gnome, allerdings noch stark in der Entwicklung. Neuere Versionen sind nur per CVS erhältlich. Das Programm benötigt einen X-Server, der die XVideo-Erweiterung besitzt, was XFree86 allerdings erst ab der noch in Beta befindlichen Version 4.0 oder einer der neuen 3.9-Versionen bietet. Deshalb ist dieses Programm wohl für die meisten Anwender noch nicht geeignet und wird sich erst in nächster Zukunft eines breiten Einsatzes erfreuen.

Homepage: http://www-unix.ecs.umass.edu/~mcrichto/gvision.html
FTP: ftp://ftp.jimpick.com/pub/gnome/snap/gnomovision/

GnomeTV

Screenshot von Gnometv im Panel GnomeTV ist da schon eher für den praktischen Einsatz geeignet. Es besteht sowohl aus einem Programm zum Fernseh-schauen, als auch einem Programm, um Videotext zu lesen. Gleichzeitig erzeugt es ein Applet im Gnome-Panel, über welches man schnell durch die Kanäle zappen kann.
Leider ist es mit diesem Programm noch nicht möglich, Screenshots zu erzeugen oder gar AVI-Videos aufzunehmen. Stattdessen kann man aber, falls man im Besitz einer Infrarot-Schnittstelle ist und die entsprechende Unterstützung im Kernel besitzt (LIRC), eine Fernbedienung benutzen. Die Befehle, die bei den entsprechenden Fernbedienungs-Tasten ausgeführt werden sollen, lassen sich auf einfache Weise in den Preferences einstellen.

Homepage: http://gnometv.sourceforge.net

xawtv

In punkto grafischer Oberfläche beschränkt sich xawtv nur auf das Nötigste, und konzentriert sich dabei völlig auf seine inneren Stärken.
Es verrichtet seinen Dienst unter KDE und Gnome ohne Schwierigkeiten und bietet etwa die gleichen Features wie kwintv.
Bilder lassen sich als ppm und jpeg speichern, Sequencen als AVI-File.
Selbstverständlich wird Lirc (Fernbedienung) unterstüzt.

"Witzig" ist auch ein Daemon um Videotext (alevt) über http verfügbar zu machen. Zusätzlich enthält das Paket das Programm set-tv, mit dem es man per Kommandozeile den Tuner der TV-Karte auf einen anderen Sender umschalten kann (sehr praktisch in Verbindung mit einer Webcam)

Homepage: http://www.strusel007.de/linux/xawtv/index.html

AleVT

Aber auch Videotext wird unter Linux unterstützt, wenn die entsprechende Option im Kernel integriert wurde.

Screenshot von AleVT

Das wohl beste Videotext-Programm unter Linux ist AleVT, welches sich besonders durch die einfache Handhabung auszeichnet.
Man kann Verweise innerhalb des Textes einfach mit der Maus anwählen, und AleVT erkennt automatisch, daß es sich um eine andere VT-Seite handelt, und springt zur neu gewählten Seite.
Zusätzlich werden alle bereits übermittelten Seiten zwischengespeichert, so daß man ohne Zeitverzögerung durch die verschiedenen Seiten wandeln kann.

Der Programmaufruf von AleVT hat besonders für Anfänger noch seine Tücken. Wegen Fehlern im alten bttv-Treiber, ist es notwendig, bei Kerneln der Reihe 2.2.x noch zusätzlich die Option -oldbttv anzugeben.
Auf die Dauer ist es störend, daß AleVT beim Starten automatisch die programmeigene Seite 900 startet. Um stattdessen die normale Standardseite 100 anzeigen zu lassen, braucht man noch die Option -parent 100, so daß der gesamte Programmaufruf folgendermaßen aussieht:

  >> alevt -oldbttv -parent 100
  
Um zwischen den verschiedenen Kanälen zu wechseln, benötigt man aber immer noch ein TV-Programm, welches dann zum Kanalwechsel benutzt wird, also z.B. kWinTV.

Die Homepage von AleVT befindet sich unter http://user.exit.de/froese/


Weitere Seiten zum Thema:
http://www.multimedia4linux.de/ Die wohl umfangreichste deutsche Seite zum Thema Multimedia und Linux. Hier finden Sie Informationen über TV, Videotext, Mpeg-Video, DVD und Audio.
http://roadrunner.swansea.uk.linux.org/v4l.shtml Diese Seite bietet immer aktuelle Informationen zum Stand der bttv-Treiber und eine große Auswahl an Programmen zum Thema Video4Linux.



Anmerkungen zu diesem Artikel


[1]  Hauppauge WIN TV PVR 350 Tv Karteszu4hwa23-5-2003


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