Fernsehen unter Linux
Wenn man im Besitz einer TV-Karte ist, kann man auch unter Linux in den Genuß
dieser Hardware kommen.Die richtige Konfiguration, Hardware und Software natürlich vorausgesetzt.
TV-Karten werden immer beliebter. Statt einen Fernseher mit Internetfähigkeiten
auszurüsten, wie es immer mehr TV-Hersteller probieren, ist es viel sinnvoller,
seinen PC mit einer Fernsehkarte zu beglücken.
Die Liste der unterstützen Karten wächst ständig. Am besten und
umfangreichsten werden alle Karten mit Bt848/Bt848a/Bt849/Bt878/Bt879
und normalen Composite/S-VHS Eingang unterstützt.
Ein kleiner Auszug aus der Liste der unterstützten Karten:
Will man seine TV-Karte unter Linux ansprechen, benötigt man die entsprechende
Unterstützung im Kernel.
Die Treiber im Kernel sollten auf alle Fälle als Modul kompiliert werden,
schon alleine wegen der Größe, die Video4Linux benötigt.
Die benötigten Einstellungen in der Rubrik "Video for Linux" sind :
Linux vs. Windows
Schon seit längerer Zeit werden ein Teil dieser Karten, bei denen zumeist nur
Windows-Treiber beiliegen, auch von Linux unterstützt.
Die bttv-Treiber des Video4Linux Projekts sind Hauptarbeitsfeld des bekannten
Kernel-Programmierers Alan Cox.
Viel hat sich in den letzten Monaten in der Treiber-Unterstützung getan,
besonders die Stabilität hat stark zugenommen.
Weil unter Windows die firmeneigenen Programmierer es anscheinend nicht
schaffen, eine stabile Version ihrer
eigenen Software zu bieten, hängt sich Windows mit Regelmäßigkeit gleich mit auf,
wenn die TV-Software mal wieder abstürzt.
Im Vergleich dazu ist die Linux-Software geradezu phänomenal stabil.
Natürlich gibt es auch hier Abstürze, aber nur in den wenigsten Fällen ist ein
Reboot fällig, denn häufig reicht ein Neustarten der TV-Software.
Leider kann es tatsächlich passieren, daß bei der Benutztung einer TV-Karte
der X-Server seine Mitarbeit einstellt, und ein Reboot unausweichlich ist.
Mit jeder neu erscheinenden Kernel-Version nimmt die Stabilität aber
kontinuierlich zu.
Die Hardware
Darunter fällt auch die in Deutschland so beliebte Hauppauge Win/TV PCI-Karte.
Eine umfangreiche Liste befindet sich unter http://www.multimedia4linux.de/videohardware.html
neuer Kernel ist Pflicht
Nur in den wenigsten Linux-Distributionen sind die benötigten Treiber schon
im Standard-Kernel.
So abschreckend es für viele auch sein mag, aber ums Kompilieren eines neuen
Kernels führt kein Weg vorbei.
Zum Testen, ob die TV-Karte auch richtig angesprochen wird, kann man auch
anfangs die Treiber ersteinmal fest hineinkompilieren, um dann beim Booten
anhand der Meldung abzulesen, ob die Karte richtig erkannt wurde.
Falls ja, sollte der Kernel erneut, dann aber mit den Treibern als Modul
installiert werden.
Nachdem man nun den Kernel kompiliert und installiert hat, benötigt man noch
einen Eintrag in der Datei /etc/conf.modules, damit die Module auch automatisch
geladen werden:
| Datei /etc/conf.modules |
alias char-major-81 bttv pre-install bttv /sbin/insmod videodev pre-install bttv /sbin/insmod i2c pre-install bttv /sbin/insmod tuner |
Trotz dieser Einträge kommt es bei einigen TV-Programmen immer wieder zu Problemen beim automatischen Laden der Module. Falls der Fensterinhalt der TV-Software schwarz bleiben sollte (nicht blau, denn dann sind meistens die falschen Treiber im Kernel!), ist es nötig, die Treiber nochmal nachzuladen. Am schnellsten geschieht das mit einem kleinen Skript:
| Videomodule nachladen |
#!/bin/sh /sbin/rmmod i2c /sbin/rmmod tuner /sbin/rmmod bttv /sbin/rmmod videodev /sbin/insmod i2c /sbin/insmod tuner /sbin/insmod videodev /sbin/insmod bttv |
Nachdem nun alle Voraussetzungen geschaffen worden sind, um Fernsehen zu können, widmen wir uns nun der notwendigen Software, um die Fähigkeiten der Karte auszunutzen.
kWinTV
Die komfortabelste Software, um unter Linux Fernsehen schauen zu können, ist
kWinTV.
Neben der Fähigkeit, Screenshots vom momentanen TV-Bild zu nehmen, kann man auch einen ganzen Videoclip im AVI-Format abspeichern. Eine schnelle und große Festplatte ist dafür allerdings Voraussetzung.
Der Algorithmus zur AVI-Aufnahme ist nicht so effektiv, wie von einigen ähnlichen textbasierenden Tools (z.B. bttv-grab), so daß bei langsamen Rechnern viele Frames verloren gehen und das Video häufig Querstreifen besitzt.
Trotzdem ist kWinTVs Fähigkeit, AVIs aufzunehmen, beeindruckend, denn selbst Windows-Programme bieten bei der AVI-Aufnahme zumeist eine schlechtere Frame-Rate.
Bei einigen X-Servern kann es zu Problemen mit der Darstellung kommen. Dies zeigt sich dahingehend, daß Reste des TV-Bildes noch auf anderen Programmfenstern zu sehen sind und nicht mehr verschwinden wollen (Screenshot). Bei solchen Problemen sollten Sie den X-Server mit der zusätzlichen Option "-bs" starten.
Kwintv hat unter Gnome Probleme mit dem
"SaveYourSelf-Kommando".
Das Programm kWinTV erhält man unter:
http://www.mathematik.uni-kl.de/%7Ewenk/kwintv/index.html
Gnomovision
Gnomovision ist das offizielle TV-Programm von Gnome, allerdings noch stark in der Entwicklung. Neuere Versionen sind nur per CVS erhältlich. Das Programm benötigt einen X-Server, der die XVideo-Erweiterung besitzt, was XFree86 allerdings erst ab der noch in Beta befindlichen Version 4.0 oder einer der neuen 3.9-Versionen bietet. Deshalb ist dieses Programm wohl für die meisten Anwender noch nicht geeignet und wird sich erst in nächster Zukunft eines breiten Einsatzes erfreuen.
Homepage: http://www-unix.ecs.umass.edu/~mcrichto/gvision.html
FTP: ftp://ftp.jimpick.com/pub/gnome/snap/gnomovision/
GnomeTV
GnomeTV ist da schon eher für den praktischen Einsatz geeignet. Es
besteht sowohl aus einem Programm zum Fernseh-schauen, als auch einem Programm, um
Videotext zu lesen. Gleichzeitig erzeugt es ein Applet im Gnome-Panel, über
welches man schnell durch die Kanäle zappen kann.
Leider ist es mit diesem Programm noch nicht möglich, Screenshots zu erzeugen oder
gar AVI-Videos aufzunehmen. Stattdessen kann man aber, falls man im Besitz
einer Infrarot-Schnittstelle ist und die entsprechende Unterstützung
im Kernel besitzt (LIRC), eine Fernbedienung benutzen. Die Befehle, die bei
den entsprechenden Fernbedienungs-Tasten ausgeführt werden sollen, lassen sich auf einfache Weise
in den Preferences einstellen.
Homepage: http://gnometv.sourceforge.net
xawtv
In punkto grafischer Oberfläche beschränkt sich xawtv nur auf das
Nötigste, und konzentriert sich dabei völlig auf seine inneren Stärken.
Es verrichtet seinen Dienst unter KDE und Gnome ohne
Schwierigkeiten und bietet etwa die gleichen
Features wie kwintv.
Bilder lassen sich als ppm und jpeg speichern, Sequencen als
AVI-File.
Selbstverständlich wird Lirc (Fernbedienung) unterstüzt.
"Witzig" ist auch ein Daemon um Videotext (alevt) über http verfügbar zu machen. Zusätzlich enthält das Paket das Programm set-tv, mit dem es man per Kommandozeile den Tuner der TV-Karte auf einen anderen Sender umschalten kann (sehr praktisch in Verbindung mit einer Webcam)
Homepage: http://www.strusel007.de/linux/xawtv/index.html
AleVT
Aber auch Videotext wird unter Linux unterstützt, wenn die entsprechende Option im Kernel integriert wurde.
Das wohl beste Videotext-Programm unter Linux ist AleVT, welches sich
besonders durch die einfache Handhabung auszeichnet.
Man kann Verweise innerhalb des Textes einfach mit der Maus anwählen, und
AleVT erkennt automatisch, daß es sich um eine andere VT-Seite handelt, und
springt zur neu gewählten Seite.
Zusätzlich werden alle bereits übermittelten Seiten zwischengespeichert, so
daß man ohne Zeitverzögerung durch die verschiedenen Seiten wandeln kann.
Der Programmaufruf von AleVT hat besonders für Anfänger noch seine Tücken.
Wegen Fehlern im alten bttv-Treiber, ist es notwendig, bei Kerneln der Reihe
2.2.x noch zusätzlich die Option -oldbttv anzugeben.
Auf die Dauer ist es störend, daß AleVT beim Starten automatisch die
programmeigene Seite 900 startet. Um stattdessen die normale Standardseite
100 anzeigen zu lassen, braucht man noch die Option -parent 100, so daß
der gesamte Programmaufruf folgendermaßen aussieht:
>> alevt -oldbttv -parent 100Um zwischen den verschiedenen Kanälen zu wechseln, benötigt man aber immer noch ein TV-Programm, welches dann zum Kanalwechsel benutzt wird, also z.B. kWinTV.
Die Homepage von AleVT befindet sich unter http://user.exit.de/froese/
Weitere Seiten zum Thema:
| http://www.multimedia4linux.de/ | Die wohl umfangreichste deutsche Seite zum Thema Multimedia und Linux. Hier finden Sie Informationen über TV, Videotext, Mpeg-Video, DVD und Audio. |
| http://roadrunner.swansea.uk.linux.org/v4l.shtml | Diese Seite bietet immer aktuelle Informationen zum Stand der bttv-Treiber und eine große Auswahl an Programmen zum Thema Video4Linux. |
Anmerkungen zu diesem Artikel
| [1] | Hauppauge WIN TV PVR 350 Tv Karte | szu4hwa | 23-5-2003 |
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