Jslaunch -- PC per Joystick steuern
Unter Linux staubt ein Joystick mangels Spiele häufig ein. Was liegt also näher, als über diesen Joystick stattdessen Befehle an seinen PC zu schicken?
Nicht, daß Sie jetzt denken, daß Sie von nun an statt der Maus Ihren Joystick benutzen sollen, so weit gehen wir dann doch nicht. Stattdessen ermöglicht einem das Programm "jslaunch", durch das Drücken der Joysticktasten, einen Befehl auszuführen. Wofür das nun wieder gut sein soll, fragt man sich da spontan im ersten Moment.
Trotz der hochgelobten Stabilität
von Linux trifft diese Eigenschaft streng genommen (dort aber zurecht)
nur für den Kernel zu. Alle Programme, wie die Mausunterstützung,
die Tastaturtreiber oder X-Free86 (X-Windows) sind von Abstürzen meist nicht
befreit. Aber auch beim Experimentieren mit noch nicht vollständig
unterstützter Hardware (z.B. neue TV-Karten) kann sich Linux aufhängen.
Zumeist scheint es so, denn eigentlich läuft das System, genauer gesagt,
der Kernel im Hintergrund anstandslos weiter, während nur die Programme
zur Maus-, Tastatur- oder Grafikunterstützung sich verabschiedet haben.
In einem derartigen Fall kann man sich meist noch von einem zweiten Rechner
übers Netz einloggen und das System ordnungsgemäß herunterfahren,
um somit beim nächsten Booten die endlosen Festplattenchecks zu umgehen,
die bei einem Hard-Reset anstehen würden.
Wer aber kein Netzwerkunterstützung hat, oder
wenn bei Ihnen
auch die Netzwerkkarte von einem Absturz betroffen ist, dem kann Jslaunch
Abhilfe schaffen. Das Programm läuft meist noch und so kann
man per Joystick den Befehl "reboot" oder "halt" ausführen.
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Jslaunch benötigt kein Kernelmodul,
um auf den Joystick zuzugreifen. Ein neuer Kernel (bzw. ein neues Modul)
ist somit nicht nötig. Stattdessen werden die Ports direkt ausgelesen.
Dies kann jedoch zu Problemen führen, wenn man schon eine Joystickunterstützung
im Kernel besitzt und diese auch bei Spielen benutzt. Dann könnte
beim Drücken der Feuertaste z.B. gleichzeitig der Befehl zum reboot
ausgeführt werden. Eine kurze Spielfreude ist dann garantiert.
Also für alle diejenigen, die den
Joystick bereits zum Spielen unter Linux verwenden, ist dieses Programm
nicht zu empfehlen. Alle anderen dürfen interessiert weiterlesen.
Jslaunch bietet zwei Möglichkeiten der Konfiguration. Entweder man teilt dem Programm beim Aufruf als Parameter mit, welche Programme bei welchen Knopfkombinationen ausgeführt werden, oder man legt diese Konfiguration zentral in der Datei /etc/jslaunchd.conf ab und ruft jslaunch ohne Optionen auf.
Das Programm erhält man entweder als
rpm unter http://www.aebius.com/rpm2html/contrib/libc6/i386/jslaunch-2.0-1.i386.html (Die Homepage existiert leider nicht mehr)
Falls man den Source-Code heruntergeladen
hat, sollte man das Programm nach /usr/local entpacken
>> tar zxvf jslaunch-2.0.tar.gz -C /usr/local
und dort mit "make" kompilieren. Das Programm selbst muß als root ausgeführt werden.
>> su
Nun wollen wir das Programm erstmal testen mittels
>>./jslaunch -r 1 "echo OK"
Drückt man nun die erste Feuertaste,
dann sollte auf dem Monitor ein OK erscheinen.
Die Zahlen hinter "-r" geben an, welche
Tasten alle gleichzeitig gedrückt werden müssen, damit der Befehl
ausgeführt wird. Falls man einen Joystick mit 4 Feuerknöpfen
besitzt, sollte man jslaunch so konfigurieren, daß alle gedrückt
werden müssen, um einen reboot auszuführen (-r 1234). Ansonsten
kann es passieren, daß man ausversehen einen Feuerknopf drückt
und dann den ganzen Rechner herunterfährt.
Das Programm sollte bei jedem Systemstart
gleich mitgestartet werden, so daß es im Notfall immer läuft.
Dafür legt man wie bei jedem anderen Programm, daß während
des Bootvorgangs gestartet werden soll, ein Init-Script an.
Wer diesen Aufwand scheut, kann einfach
in der Datei /sbin/init.d/boot.local in der letzten Zeile den folgenden Eintrag
hinzufügen.
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| #Letzte Zeile in boot.local
/usr/local/jslaunch-2.0/jslaunch -r 1234 "reboot" & |
Dies ist zwar keine so "saubere" Konfiguration
wie über ein Init-Script, hat aber den selben Effekt.
Spätestens nach dem ersten Systemhänger
möchte man das Programm nicht mehr missen, und der Konfigurationsaufwand
hat sich gelohnt.
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Mit Jslaunch bieten sich mehrere Möglichkeiten,
die Benutzung seines PCs zu vereinfachen. Wenn z.B. ein alter PC mit Linux
als reiner Router oder als Mail-Server abgestellt wird, kann man durch Jslaunch
den Rechner monitorlos steuern. Falls der PC abstürzen sollte und
nicht mehr übers Netzwerk erreichbar ist, kann er per Joystick neu
gestartet werden.
Besonders interessant ist der Einsatz
bei PC-Gehäusen mit Turbo-Knopf. Dieses Relikt alter CPUs wird heutzutage
nicht mehr benötigt. Trotzdem besitzen einige PCs noch diesen Knopf,
der dann jedoch ein nutzloses Dasein fristet. Wer aber von einem alten
Joystick den Feuerknopf mit dem Turbo-Knopf verbindet, kann sich somit
einen Knopf für Software-Resets basteln. Der Turbo-Knopf hat wieder
eine Daseinsberechtigung.
Homepage: http://www.aebius.com/rpm2html/contrib/libc6/i386/jslaunch-2.0-1.i386.html
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